16.04.09 »Zug der Erinnerung« ist von der DB nicht gern gesehen
Beim „Zug der Erinnerung“ handelt es sich um eine fahrende Gedenkausstellung, die in drei Waggons an die Deportationen deutscher und europäischer Kinder in die Konzentrations- und Vernichtungslager der NS erinnert. Gezogen von einer Dampflok aus dem Jahre 1919 macht die Ausstellung dort Station, von wo aus die Kinder in den Tod gefahren wurden.

Der Zug der Erinnerung in Brandenburg a. d. Havel (Foto: steffen68)
Im Zug wird die Geschichte der europäischen Deportationen in beispielhaften Biographien nacherzählt. Über tausende Kilometer verschleppte die SS, das Reichsverkehrsministerium und die Reichsbahn über eine Million Kinder. Ihre Bilder und ihre letzten Briefe, die sie aus den Waggons der Reichsbahn warfen, stehen für viele Millionen Menschen, die in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet wurden.
Die deutsche Bahn lässt nichts unversucht, das Gedenken an die Kinderdeportationen zu boykottieren. So verlangt der Konzern hohe Gebühren für das Benutzen der Gleise. Etwa 3,50 Euro pro gefahrenen Schienenkilometer, 45,- Euro pro Stunde Ausstellungssteit und 50,- Euro pro Tag für die Nachtabstellung. Zur Verdeutlichung: Die vier Tage in Freiburg vom 29.03.09 bis 01.04.09 kosteten rund 14.000,- Euro.
Trotz zahlreicher Appelle ist die Bahn bis heute nicht bereit, die Kosten zu erlassen.
Auch das Land Baden Württemberg und die Landeszentrale für politische Bildung lehnen eine Unterstützung, anders als zum Beispiel Rheinland-Pfalz, ab. Begründung: Der „Zug der Erinnerung“ sei eine „Veranstaltung des öffentlichen Personennahverkehrs“ uns somit nicht förderungsfähig.

Die Ausstellung im Zug der Erinnerung, Station: Bonn. (Foto: DIWI-SINZIG)
Als weitere Zuspitzung der Konfrontation schränkte die Bahn die öffentliche Berichterstattung ein, indem sie Interviews mit Initiatoren auf den Bahnsteigen untersagte. Damit nicht genug: 24 Stunden vor Ankunft in Konstanz (02.04 – 04.04) teilte die Deutsche Bahn den Initiatoren telefonisch mit, dass eine Stromversorgung auf Gleis 1 des Hauptbahnhofes nicht zur Verfügung stehe. Um die Ausstellung dennoch mit Strom versorgen zu können, müssten 10.000,- (!) Euro bezahlt werden. Die Sperrung des Stromzuganges erfolgte so kurzfristig, dass eine alternative Stromversorgung nur schwer zu realisieren ist.
„Die Deutsche Bahn AG setzt ihre Politik der Ignoranz, des Boykotts und der Unterdrückung des Gedenkens fort“, heißt es in einer Stellungnahme der Zugbegleiter. „Gegen diese Geschichtsvergessenheit steht der stille Protest von bisher 280.000 Menschen, die auf die Bahnhöfe kommen, um die Deportierten zu ehren. Dieser Zuspruch ist stärker als jedes Verbot.“
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Original: http://de.indymedia.org/2009/04/245957.shtml
Weitere Informationen
Den Fahrplan mit allen Stationen und viele weitere Infos zur Ausstellung findet man auf der Webseite www.zug-der-erinnerung.eu.
Andreas Blechschmidt kommentiert das Verhalten der Bahn auf Jungle World: Zug ohne Ermäßigung.



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