19.12.10 400 frierende Menschen erst nach vier Stunden aus Regionalzug evakuiert
Am Donnerstag, 16. Dezember, ist der Regionalexpress RE 21424 von Hamburg nach Lübeck auf offener Strecke bei Tremsbüttel lieben geblieben, nachdem es einen technischen Fehler an der Lok gab. Als nach zwei Stunden Licht und Heizung ausfielen, gerieten einige Fahrgäste in Panik. Erst dann wurde (laut verschiedenen Berichten) die zuständige Bundespolizei informiert, und eine Evakuierung des Zuges konnte eingeleitet werden. Fünf Personen wurden wegen Unterkühlung bzw. Erschöpfung medizinisch behandelt. “Einige Fahrgäste hatten Panik, weinten, riefen um Hilfe. Sie glaubten an einen Anschlag”, schilderte ein Pendler den Lübecker Nachrichten.
Wieder einmal wurde deutlich, dass das Notfallmanagement der Bahn offensichtlich nicht funktioniert. Ein Bahnsprecher sagte gegenüber der Presse, der Notfallmanager sei wegen der schlechten Witterungsverhältnisse erst nach 2,5 Stunden vor Ort gewesen. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn und die Bundespolizei kritisierten die Deutsche Bahn. “Es gibt eine Zeitlücke von ein bis zwei Stunden, in der wir zu spät informiert worden sind”, so ein Sprecher der Bundespolizei.
Ich vermute mal, das die Lokführer in so einem Fall angewiesen sind, den Zwischenfall der zuständigen Stelle zu melden und dann abzuwarten. Wo genau es in diesem Fall gehakt hat, das Hilfskräfte erst über drei Stunden am Zug eingetroffen sind, soll untersucht werden: “Wir werden den Fall genauestens überprüfen und Konsequenzen ziehen”, so ein Bahnsprecher.
Gestrandete Reise wollen versuchen, die Bahn wegen Körperverletzung zu verklagen. Nachfolgende Züge seinem trotz des stehen gebliebenen Zuges und der dadruch blockierten Strecke auf die Reise geschickt worden. Ihre Fahrt endete dann zwangsläufig an den umliegenen Bahnhöfen. Ein Ersatzverkehr mit Bussen fand praktisch nicht statt – für 500 Reisende stand ein einzige Bus bereit, berichtet ein Fahrgast.
Mein Tipp für Reisende in einem liegengebliebenen Zug: Nicht auf das Notfallmanagement der Bahn verlassen, sondern selbst Hilfe holen. Entweder über die 110, oder direkt bei der Bundespolizei unter 01805-234 566.
Weitere Züge evakuiert
Übrigens ist dies nicht der einzige gestrandete Zug der vergangenen Tage: Am Mittwoch ist eine Regionalbahn bei Herne auf offener Strecke nach einem Defekt am Stromabnehmer liegen geblieben, rund 500 Fahrgäste konnten nach drei Stunden den Zug verlassen. Und am Freitag musste ein ICE bei Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern evakuiert werden, der wegen einem Triebwerkschaden nicht weiterfahren konnte.
Lübecker Nachrichten: Wir standen da wie die Deppen
Lübecker Nachrichten: Panik im Regionalexpress: Kälte-Opfer verklagen Bahn
Frankfurter Rundschau: Panik im Regionalexpress
Spiegel Online: Fahrgäste sollen 250 Euro Entschädigung erhalten



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