01.12.09 Das kann doch nich war sein: Vögel legen Zugverkehr lahm
Dass mittelgroße Vögel einen Jumbojet zum Absturz bringen können, habe ich gewusst. Aber dass relativ kleine Großstadttauben den Zugverkehr in und um Berlin für Stunden lahm legen können, das war mir neu.
Am Samstag mittag hat ein Vogel bei der Einfahrt eines ICE in den Berliner Hauptbahnhof einen Kurzschluss verursacht, woraufhin zunächst zwei Gleise für den Zugverkehr gesperrt wurden. Nach mehreren weiteren Kurzschlüssen wurden gegen 18.00 Uhr auch die beiden anderen Gleise für den Rest des Tages gesperrt. Züge des Nah- und Fernverkehrs mussten zu anderen Bahnhöfen umgeleitet werden, viele tausende Reisende waren betroffen.
Die Informationen am Hauptbahnhof für die Reisenden seien sehr spärlich und teilweise verwirrend gewesen. Die elektronischen Anzeigetafeln hätten für die umgeleiteten ICE und Regionalbahnen „Zug ausgefallen“ angezeigt, obwohl es zu keinen Ausfällen gekommen sei, berichtet die Berliner Morgenpost.
Am Sonntag vormittag kam es erneut zu Kurzschlüssen, weshalb zwei Gleise erneut für mehrere Stunden gesperrt werden mussten, so ein Bericht des Tagesspiegels. Der Hauptkritikpunkt ist die immernoch mangelnde Informationstaktik seitens der Bahn. Ein Bahnsprecher behauptete gegenüber dem Tagesspiegel, „es wäre für die Fahrgäste keine Hilfe gewesen, wenn sie im Verkehrsfunk gehört hätten, dass die Züge nicht im Hauptbahnhof abfahren, sondern von anderen Stationen. Es sei immer unklar gewesen, wie lange die Störung dauere“ – ist es also besser, die Reisenden stundenlang ohne vernünftige Informationen im gesperrten Hauptbahnhof warten zu lassen, bis spät abends ohnehin kein Zug mehr fährt?
Weiterer Zwischenfall vor einer Woche
Bereits eine Woche vorher ereignete sich ein weiterer Zwischenfall mit einem Vogel, berichtet der Tagesspiegel. Ein voll besetzter Regionalzug war am Freitag nachmittag (20.11.) unterwegs von Brandenburg/Havel über Berlin nach Eisenhüttenstadt, als um 15.30 Uhr ein Vogel einen Kurzschluss in der Oberleitung auslöste. Der Blitz hatte einen Abriss der Leitung zur Folge, der Zug musste bei Berlin-Grunewald stoppen. Erst nach drei Stunden konnte der Zug mit einer Diesellok in den nächsten Bahnhof geschleppt werden – solange durfte niemand aussteigen.
Erst gegen 17:15 Uhr war die Oberleitung geerdet gewesen. Allerdings fuhren auf den S-Bahn-Gleisen neben der betroffen Strecke noch Züge, weshalb das Aussteigeverbot „zwingend notwendig“ gewesen sein, so ein Bahnsprecher gegenüber der Zeitung. Eine Evakuierung durch den angrenzenden Wald sei laut Bundespolizei nicht durchführbar gewesen – aus Personalmangel.
Während der gesamtem drei Stunden, die der Zug stillstand, habe es laut Informationen von Reisenden nur eine einzige Durchsage im Zug gegeben – nur eine einzige! Das alleine ist schon krass. Wieso das Erden der Oberleitung mehr als eineinhalb Stunden dauert, ist mir auch nicht erklärlich (in jedem Bahnhof gibt es entsprechendes Werkzeug), und wieso man die Fahrgäste nicht evakuiert hat, sowieso.
Gibt es für solche Fälle nicht Notfallpläne? Kann man die S-Bahn auf dem Nachbargleis nicht solange stoppen? Oder sind der Bahn Ihre Kunden tatsächlich so egal, dass sie sie mehrere Stunden in einem Zug ohne Klimaanlage, mit geschlossenen Fenstern und ohne Informationen auf sich allein gestellt lässt?
Ganz abgesehen davon, dass es Vögel nicht erst seit kurzem gibt, und elektrische Eisenbahnen auch nicht.


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