08.02.09 Die «Spähdorn»-Affäre

Von Stephan  |  Aus der Presse

Den vielen Medienberichten zufolge, die in der letzten Woche rund um das Thema „Datenskandal bei der Bahn“ ihre Kreise gezogen haben, sieht es schlecht aus für Bahnchef Hartmut Mehdorn. Viele fordern seinen Rücktritt, es besteht sogar die Gefahr – oder sollte ich sagen, die Chance – dass er vom Aufsichtsrat rausgeschmissen wird.

Noch ist aber gar nicht klar, was er getan hat. Der Vorwurf: Die Daten aller 220.000 Mitarbeiter sollen überprüft und mit den Daten von Lieferanten abgeglichen worden sein, ohne den Betriebsrat darüber zu informieren. Auch nachträglich sei kein Mitarbeiter in Kenntnis gesetzt worden.

Mehdorn muss davon gewusst haben. Am Freitag hat sich der Vorstand der DB AG bei den Mitarbeitern entschuldigt (Pressemitteilung DB AG). Aber ob Mehdorn die Aktion so angeordnet hat, und vor allem, ob das gegen Datenschutz-Bestimmungen verstoßen hat, muss geklärt werden. Am 18. Februar soll es deswegen eine Sondersitzung des Aufsichtsrates geben.

Der Tagesspiegel berichtet, am 06.02. habe ein Mitglied des Betriebsrats Strafanzeige gegen den Bahn-Vorstand und die Detektei, die den Datenabgleich durchführte, Strafanzeige wegen Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz sowie Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses erstattet (Der Tagesspiegel). Das ist dann schon die zweite Anzeige, denn bereits eine Woche zuvor hat die Bahn selbst die Staatswanwaltschaft ersucht, um die Vorwürfe zu klären.

Mehdorn ist seit 1999 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG. „Bahnchef“ könnte sein Vorname sein. Er hat vieles in dem Staatskonzern Bahn modernisiert und Innovationen in die Wege geleitet, aber er musste auch einige Krisen durchstehen. Sein Werdegang hat tagesschau.de trefflich zusammengefasst: Vorname: Bahnchef – Porträt Hartmut Mehdorn. Heute, am Sonntag abend, ist er auch Thema in der Sendung „Bericht aus Berlin“ (Das Erste (ARD), 18:30 Uhr).

Der Titel „Spähdorn“ ist übrigens eine Wortschöpfung des Bundes deutscher Kriminalbeamter.

Apropos, hier noch der Hinweis auf eine andere Aktion im Zusammenhang mit der Öffentlichkeitsarbeit der Bahn: Das Image-Debakel der Deutschen Bahn im Umgang mit Bloggern

Letzte Änderung am 23.04.2009 um 20:42, Kategorien:  

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