30.01.09 Mehdorns Überwachungsaffäre

Von Stephan  |  Aus der Presse

„Mehdorn kann auf keinen anderen zeigen und sagen, der hat das gemacht, ohne dass ich das wusste.“
(Dirk Fischer, CDU-Verkehrsexperte)

Der Druck auf Hartmut Mehdorn wächst. Letzte Woche war es noch ein Kampf gegen Korruption in den eigenen Reihen, der von der Presse sofort zu einem Datenskandal gepuscht worden ist:

Die Deutsche Bahn hat im großen Stil Mitarbeiter und auch deren Ehefrauen ausforschen lassen. Nach Informationen des stern waren mehr als 1000 Personen von der Bespitzelung betroffen, darunter ein Großteil des oberen Managements. (stern.de, 21.01.2009)

Inzwischen ist daraus eine „Spitzel-Affäre“ geworden. Die Daten von 173.000 Mitarbeitern sollen daraufhin überprüft worden sein, ob sie der Bahn druch Geschäfte mit Scheinfirmen Schaden zugefügt haben. Pauschal. Ohne konkreten Anfangsverdacht. Vereinzelt werden nun Rücktrittsforderungen gegen den Bahnchef laut – auch wenn, rein rechtlich betrachtet, eventuell gegen kein Gesetz verstoßen worden ist. Es wurde nicht informiert. Auch nicht der Aufsichtsrat der DB AG.

Dem gesamten Kontrollgremium hatte Vorstandschef Hartmut Mehdorn zuletzt vor einer Woche lediglich mitgeteilt, es seien „keine Telefone abgehört, keine Konten eingesehen und keine Journalisten oder Aufsichtsräte bespitzelt“ worden. Die massenhafte Kontrolle von Mitarbeitern erwähnt der Vorstandschef in seinem Schreiben, das der Zeitung vorliegt, aber mit keinem Wort. Aus dem Aufsichtsrat heißt es dazu, Mehdorn hätte bei dieser Gelegenheit auch die Überprüfung der 173.000 Beschäftigten offenlegen müssen. Der Vorstandschef müsse nun erklären, warum er das nicht getan habe. (tagesschau.de)

Eventuell wird ein parlamentarischer Untersuchungsauschschluss die genauen Umstände klären. Und vielleicht muss Mehdorn tatsächlich von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender zurücktreten.

Eine Übersicht über die verschiedenen Pressestimmen gibt es bei der Financial Times Deutschland.

[Update 13:08 Uhr] Welt online meldet, die Bahn habe heute die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, um der „unverantwortlicher Skandalisierung“ den „Boden zu entziehen“, so Mehdorn. Zum Artikel

Letzte Änderung am 23.04.2009 um 20:42, Kategorien:  

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