25.04.09 Noch mehr Datenskandal

Von Stephan  |  Datenaffäre

Von wegen, Zeit könne man nicht kaufen. € 3,60 war mir diese Zeit wert.

Zu groß um im Zug zu lesen: die aktuelle Ausgabe der Zeit Zu groß um im Zug gelesen zu werden: Die aktuelle Ausgabe der „Zeit“

Aber Scherz beiseite, dazu besteht wirklich kein Anlass. Die aktuelle Ausgabe der Zeit enthält einen lesenswerten Artikel vom Journalisten Günther Wallraff mit erschütternden neuen Informationen.

Ich hatte wirklich gehofft, langsam wäre das Außmaß des Datanskandals bei der Bahn ungefähr einschätzbar. Mehdorn ist gegangen, die Untersuchen laufen an mehreren Fronten, und mit dem neuen Bahnchef Gruber kam auch die Hoffung auf rasche Aufklärung und generell auf einen neuen Führungsstil. Aber dieser Artikel von Günther Wallraff bringt neue, wirklich erschreckende Details ans Licht. Wallraff konnte mit Bahnmitarbeitern sprechen, zum Beispiel mit Frau T.

Eines Tages, hatte Frau T. berichtet, sei es an ihrem Arbeitsplatz zugegangen wie in einem Science-Fiction-Roman. Der Cursor auf ihrem Dienstcomputer fing zu laufen an, ganz ohne ihr Zutun, von irgendwo aus der Ferne bediente ein elektronischer Eindringling ihren Rechner. »Ich hatte die Chance, den Eindringling auf meinem Rechner beim Löschen eines Dokuments zu beobachten«, hat sie schriftlich bezeugt. »Wir haben beide um die Bedienung der Maus gekämpft. Der Eindringling hat gesiegt und das Dokument gelöscht.« (…)
Sie habe auf ihrem PC allerlei Programme zur Ausspähung von Passwörtern gefunden, eigenartige E-Mails empfangen, mögliche Manipulationen an zahlreichen E-Mail-Dokumenten gefunden, berichtet sie. Innerhalb eines halben Jahres seien neun wichtige Dokumente von ihrem Rechner verschwunden.

Die Kontrollinstanzen, die Korruption und Geheimnisverrat verhindern sollten, kontrollierten sich um Teil selbst. Computer von Mitarbeitern, die sich kritisch zum geplanten Börsengang oder zum schlechten Zustand von Gleisen oder Zügen äußerten, wurden nicht nur heimlich und ohne konkreten Korruptionsverdacht (denn darum ging es ja offiziell) ausspioniert, sondern es wurden sogar verfängliche Dateien wie Naziporpaganda aufgespielt, um einen Kündigungsgrund zu haben. Kritische Mitarbeiter mussten gehen.

Auch ein offensichtlich gefälschtes Foto, das die rechtzeitige Zustellung einer Kündigung dokumentieren sollte, spielt eine Rolle. So konnte die Bahn eine Mitarbeiterin noch innerhalb ihrer Probezeit ohne Angabe von Gründen und ohne Einschalten des Betriebsrates loswerden.

Mir verschlägt das die Sprache.

Link zum Artikel: In Mehdorns Diensten (vollständiger Artikel als PDF)

Die Bahn hat Stellung genommen und weist (wie immer) alle Vorwürfe pauschal zurück. Unterdessen wurde bekannt, das Mehdorn eine ABfindung in Höhe von 4,9 Millionen Euro erhalten soll.

Letzte Änderung am 25.04.2009 um 12:45, Kategorien:  

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