19.12.10Vom Abenteuer Bahn fahren - Ein Gastartikel
Erlebt und aufgeschrieben von Anne Klein
Es war einmal ein schöner weißer Zug, der von Hamburg aus nach Lutherstadt Wittenberg fahren wollte. Dort sollte sich dieser teilen, sodass der eine Zugabschnitt weiter nach München, der andere hingegen nach Frankfurt fahren würde. Trotz Schneechaos traf der Zug nur ca. 10 Minuten später in seiner Zwischenstation, dem Berliner Hauptbahnhof, ein.
Durch eindeutige Hinweise wusste jeder Reisende, in welches Abteil des Zuges er einsteigen müsse. Als alle Reisenden einen Platz im Zug gefunden haben, kam eine Ansage des Zugbegleiters: “Meine Damen und Herren, in Berlin wurden leider die Anzeigen des Zuges vertauscht, bitte wechseln Sie jeweils in den anderen Zugabschnitt. Wir bitten um Ihr Verständnis.”
Nun begann das Chaos. Denn nun rannten um die 150 Reisenden vom vorderen Teil des Zuges zum hinteren, und vom hinteren zum vorderen. Was für ein Spaß. Mit gefühlten 20 Minuten Verspätung ging die Reise weiter. Die Reisenden reagierten schon leicht genervt, da halfen auch keine weiteren Entschuldigungen des Zugpersonals. Doch es sollte noch schlimmer werden.
Wie bereits erwähnt, fuhr der Zug nach Wittenberg, um dort geteilt zu werden. Die Stimmung unter den Reisenden schien sich langsam wieder zu heben, als eine weitere Durchsage in Lutherstadt zu hören war: “Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass sie noch einmal Ihren Zugabschnitt wechseln müssen. Der erste Abschnitt fährt nun nach München, der zweite nach Frankfurt.” Und nun begann Chaos Nummer zwei. Denn jetzt mussten rund 400 bis 500 Menschen (!) über den gut zwei Meter breiten Bahnsteig (zzgl. Schnee) rennen. Dass dabei niemand ums Leben kam, ist ein wahres Wunder. Scheinbar hat jeder diesen Lauf geschafft.
Und da soll jemand noch sagen, dass die Bahn die Kunden nicht ausreichend unterhalte…
Schade, dass es sich bei dieser vermutlich einzigartigen Geschichte um kein Märchen handelt, sondern um eine wahre Begebenheit, die ich am vergangenen Sonntag leider selbst miterleben musste. Mit optimistischen 25 Minuten Verspätung kam der Autor dieses Textes an seinem Reiseziel an. Was den anderen Reisenden noch an wunderbaren Ereignissen bevorstand, werden wir wohl nie erfahren…
27.05.10Zwei-Klassen-Gesellschaft
Von Bahn-Kunde Ritsch
Ritsch war am 04.08.2008 morgens gegen 8.00 Uhr in einem ICE nach Basel unterwegs und erlebte folgendes:
Ich saß in der 1. Klasse am Übergang zur 2. Klasse und habe folgendes vernommen: Ein Fahrgast möchte in die Toilette. Die Zugbegleiterin: „Das ist die 1. Klasse-Toilette, gehen sie bitte in die 2. Klasse!“ Mit ihrer Erfahrung aus etlichen Dienstjahren bei der Bahn muss sie ihn als 2. Klasse-Fahrgast erkannt haben.
Ich frage mich nun: Wo ist der Unterschied zwischen einer 1. und einer 2. Klasse- Toilette? Ist die 1. Klasse-Toilette größer, wird sie öfter gereinigt, gibt es feuchtes Toilettenpapier? Vielleicht liegen dort die aktuellen Tageszeitungen bereit?
Oder wird man dort vom freundlichen Zugpersonal mit kleinen Snaks aus dem Bordbistro bedient?
Kann man die Toilette als 1. Klasse-Fahrgast gar Reservieren, oder gibt es die Möglichkeit bei der freundlichen Zugbegleiterin einen Übergang von der 2. Klasse- zur 1. Klasse-Toilette zu erwerben? Kann man dann dabei auch BahnCard-Punkte sammeln?
Mal angenommen die 2. Klasse-Toilette in diesem ICE ist genauso überfüllt wie der ICE regelmäßig selbst. Gibt es dann längere Aufenthalte an den Bahnhöfen um den 2. Klasse-Fahrgästen Gelegenheit zu geben ihre Notdurft zu erledigen? Bahnsteigraucher würden dies sicher begrüßen. Ich kann mir schon die Verpätungsdurchsagen an den Bahnhöfen vorstellen:
„Der ICE XY hat wegen Wartens auf Austrittreisende derzeit leider 10 Minuten Verspätung“. Wie mag das in sächselndem English klingen?
Eine daraus zu folgernde interessante Frage ist, ob ich als 1. Klasse-Fahrgast die 2. Klasse-Toilette benutzen darf. Oder darf ich sie öfter benutzen? Bestimmt habe ich „Vortritts-“ oder zumindest „Beisitzrecht“.
Aber was mache ich mir als „BahnComfort“-Kunde überhaupt Gedanken. Mit meiner „BahnCard First 100“ kann ich das ganze Jahr auf allen Toiletten aller Züge in Ganz deutschland Platz nehmen. Ausnahme: die Zugspitzbahn, denn dort gilt die Karte nicht. Aber da gibt es eh keine Toilette.
28.02.10Spitzenleistung: Sechs Stunden Verspätung bei einer fünfstündigen Bahnfahrt
Verspätung: 369 Minuten
Von Bahn-Kunde Volker Meißner
Vier freie Tage über Karneval, da bietet sich ein Kurzurlaub an. Als Ziel hatten wir Falkau im Hochschwarzwald ausgesucht. Von dort kann man zum Titisee, zum Schluchsee oder zum Feldberg wandern, Langlaufloipen gibt es vor der Haustür und genug Lifte für Skifahrer sind ebenfalls schnell zu erreichen. Dank der noch vorhandenen Lidl-Tickets war die Wahl des Verkehrsmittels schnell entschieden: für 132 Euro mit zwei Personen von Essen aus hin und zurück ohne Stress auf der Autobahn, ohne mögliche Staus und verschneiten Straßen: das ist in der Theorie nicht nur finanziell attraktiv. Laut Fahrplan dauert das mit ICE und Regionalbahn auch nur 5 Stunden und 2 Minuten. Das ist mit dem Auto kaum zu schaffen.
Nach Halt in Duisburg, Düsseldorf und Köln geht es auf die Sprinter-Strecke nach Frankfurt-Flughafen. Doch hier wird der Zug auf einmal deutlich langsamer, als man es gewöhnt ist. Ein freundlicher Zugchef verkündet, wegen Eisbildung könne man nicht mit der vorgesehene Geschwindigkeit fahren. Was soll’s, wir haben in Mannheim zehn Minuten zum Umsteigen und ICEs warten auch einige Minuten aufeinander. Doch es kam leider ganz anders.


