14.07.10BahnCard 50°plus

(via bateman)
Erstes Problem: den Winter. Wir erinnern uns? Wochenlang fielen zahlreiche ICE aus, die dem Schneetreiben zum Jahreswechsel nicht gewachsen waren. Teilweise wurden Ersatzzüge eingesetzt, teilweise fuhren ICEs nur in halber Länge und mit doppelt so viel Gedränge um die letzten Stehplätze, teilweise fielen Züge komplett aus.
Zweites Problem: den Sommer. Die ICE-Züge haben keine öffnungsfähigen Fenster – vermutlich aus esthetischen, aerodynamischen und wirtschaftlichen Gründen. Das heißt, Frischluft für die Reisenden kann nur durch die Klimaanlage in den Innenraum gelangen. Und diese Klimaanlagen sind für Temparaturen über 32 Grad (also Außemtemparatur) nicht ausgelegt, gibt die Bahn zu. Sie schalten sich im Zweifelsfall einfach aus, dann staut sich die Hitze, letzte Woche wurde es bis zu 50 Grad heiß. Zahlreiche Passagiere kollabierten und mussten ärztlich versorgt werden, als der Zug nach rund einer Stunde fahrt stoppte. Was genau das Problem war, wo die Ursache liegt, das konnte oder wollte die Deutsche bahn bisher nicht sagen.
Als Entschädigung für betroffene Passagiere wurden, was auch sonst, Reisegutscheine ausgegeben. Ein Teufelskreis.
Auf Twitter verbreitete sich schon ein satirisches Plakatmotiv für die „BahnCard 50°plus – Preise, die Sie ins Schwitzen bringen“. Ohne Schwitzplatzgarantie. Auch wurde gemunkelt, man können den ICE in „Transpirapid“ umbenennen.
Jedenfalls hat die Bahn vielleicht noch ein drittes Problem: ihr Image. Aber das ist ja nichts neues. Und viel zu verlieren hat sie ja nicht mehr.
Regionalexpress (Rheine-Braunschweig) kollidierte Mittwoch Abend mit entgleistem Waggon eines Güterzuges – Strecke Hannover-Braunschweig bleibt bis Dienstag gesperrt – Züge werden über Wolfsburg und Hildesheim umgeleitet
Welt Online: 16 Verletzte bei Zugkollision in Peine

Evakuierung eines ICE auf offener Strecke, nachdem ein Stromabnehmer beschädigt worden war
dasBahnblog-Leser Kenji berichtet von diesem Ereignis in einem Forum und hat auch ein paar Fotos geschossen.
Gestern ist der ICE3 in dem ich saß, mit einer Panne stehen geblieben (bei bahnhof Offingen). Wir wurden in den hinteren Zugteil evakuiert und hatten über dreieinhalb Stunden Verspätung. Ursache war laut Aussage über die Bordlautsprecher ein abgerissener Stromabnehmer. Viele Leute lesen in Zeitungsberichten über solche Panne. Sie können es sich aber bei weitem nicht vorstellen wie so etwas abläuft oder warum es so viel Zeit braucht, das Problem zu beheben. Daher habe ich hier den Verlauf chronologisch verfasst.
Die ganze Story: ICE Stromabnehmer abgerissen – mein Live Report
Es tut mir leid, dass in den letzten Wochen (man kann auch Monate sagen) auf diesem Blog so wenig passiert ist. Mir fehlte einfach die Zeit, und, das muss ich zugeben, ich bin in diesem Jahr auch noch nicht viel Bahn gefahren.
Aber in den letzten Tagen haben mich Geschichten von anderen Bahnreisenden erreicht, die ich hier demnächst veröffentlichen werde. Ich bitte noch um etwas Geduld. In diesem Sinn Euch weiterhin eine gute Fahrt mit der Bahn!
Stephan von dasBahnblog.de
Es passierte vergangenen Samstag. ICE 105 auf dem Weg nach Basel verlor eine nicht vollständig verriegelte Tür, die in die Fensterscheiben des Bistro-Waggons des entgegen kommenden ICE 612 einschlug. Dabei wurden sechs Personen durch Glassplitter verletzt oder erlitten einen Schock.
Blogger Julian Reydt war dabei: Die Deutsche Bahn und Ich, oder: Der kürzeste Stadionbesuch aller Zeiten. Bei allen ICE-Zügen derselben Bauart sollen nun die Türen überprüft werden, verspricht die Deutsche Bahn AG.
Zeit Online: Ursache für defekte ICE-Tür gefunden
Kunden sind der Bahn egal – diesen Eindruck muss man jedenfalls haben, wenn man folgende Schlagzeilen der letzten Tage verfolgt.
Lokführer sperrt zehn Kinder aus (Der Westen / WAZ)
Weil es keinen Fahrscheinautomaten am Bahnhof gab, wollten die Kinder ohne Ticket in den Zug steigen und später eine Fahrkarte kaufen. So ist das in diesem Fall auch vorgesehen. Der Zugführer war allerdings anderer Ansicht.
Bahn-Verweis für 16-Jährige (Spiegel online)
Schon ein paar Wochen her, aber nicht weniger schlimm. Die 16jährige musste am gesdchlossenen Bahnhof bei Minusgraden warten, bis sie abgeholt werden konnte. Der Bahnchef Gruber hat sich inzwischen telefonisch bei der jungen Dame entschuldigt, nach Angaben der DB AG wurde die Mitarbeitern abgemahnt.
Einsteigen – um wieder auszusteigen (Der Tagesspiegel)
Wegen Überfüllung startete ein ICE erst, nachdem die Hälfte der Passagiere wieder ausgestiegen war. Der Zug war so voll, weil er nur mit einem anstatt den vorgesehenen zwei Zugteilen unterwegs war – eine Folge der verkürzten Wartungsintervalle und des Winters, dem die ICE-Flotte nicht gewachsen ist. Viel zu wenige Züge sind einsatzbereit. Dies ist nicht der erste Fall einer Zwangs-Räumung.
Zu meinem Geburtstag am Sonntag hat mir die Deutsche Bahn ein ganz besonderes Geschenk ausgesucht: eine Ersatz-Lokomotive. Der IC, mit dem ich (aus Braunschweig kommend) von Wolfsburg nach Berlin fahre, darf deshalb statt mit vorgesehenen 200 Stundenkilometern maximal mit 140 fahren. So erreichen wir den Berliner Hauptbahnhof mit mindestens 30 Minuten Verspätung, wird uns kurz nach der Abfahrt mitgeteilt.
Vor dem Einstieg war den Fahrgästen natürlich noch nicht klar, warum der InterCity bereits mit 10 Minuten später in Wolfsburg eintraf. Dem Personal aber sehr wohl, denn der Ersatz-Zug war ja schon seit mehreren Stunden unterwegs, und dass der Fahrplan ab Wolfsburg nicht eingehalten werden kann, hätte man durchaus kundtun können. Vielleicht hätten sich ein paar Fahrgäste eine andere Route oder einen anderen Zug ausgesucht. Ich kam schließlich mit 35 Minuten Verspätung in Berlin an.
Der planmäßig in Wolfsburg rund 20 Minuten später abfahrende ICE wäre für mich leider keine Alternative gewesen, denn dieser wurde in Wolfsburg bereits mit 35 Minuten Verspätung angekündigt – wegen einer Störung am Triebfahrzeug übrigens.
Heute trifft sich der regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, mit dem Vorstandsvorsitzenden der Duetschan Bahn AG, Rüdiger Gruber. Daher mein Lesetipp aus aktuellem Anlass:
Welt online: „S-Bahn-Krise: Eine Chronik des Scheiterns. – Wie der Konzern versucht, sich aus der Misere zu reden.“
Am Montag abend bin ich zwecks Abschluss meines Studiums von Berlin nach Flensburg gereist. Es war mal wieder eine spannende Tour.
Schon zu Beginn am Berliner Hauptbahnhof die erste Abweichung vom Reiseplan: der ICE 706 beginne wegen einer Störung am Triebfahrzeug gar nicht am Hauptbahnhof, sondern am Bahnhof Gesundbrunnen, wurde uns mitgeteilt. Dorthin gelange man mit einem anderen ICE (der eigentlich nach Westerland fährt), der wenige Minuten verspätet gleich am Nachbargleis einfährt. In Gesundbrunnen klappte der Umstieg in den wartenden ICE nach Hamburg ohne Probleme.
Dieser fuhr scheinbar ganz zügig, von der Störung am Triebfahrzeug spürte man jedenfalls nicht viel. Allein die Ankunft in Hamburg war 20 Minuten später als geplant. Mir machte das aber nichts: aufgrund der schlechten Anschlüsse in Richtung Norden hatte ich nun eben statt planmäßigen 50 Minuten nur noch 30 Minuten Aufenthalt. Ich kam an dem Abend noch pünktlich in Flensburg an.
Die Rückfahrt war dagegen entspannend und fast lustig, wäre es nicht im Grunde traurig. Sowohl von Neumünster nach Hamburg als auch von Hamburg nach Berlin waren im Fahrplan einst ICE-Züge vorgesehen. Doch von Neumünster nach Hamburg werden schon seit langem Ersatz-IC aus der letzten Epoche eingesetzt – mit einer völlig abgenutzten Inneneinrichtung in beige, türkis und Flieder und wenigen funktionierenden WCs.

„Ersatzzug zweiter Klasse“ ist übertrieben.

Oft zu sehen: ein unscheinbarer Aufkleber an der Tür zum WC.
Mein Anschlusszug vom Hamburg nach Berlin wurde dagegen sehr kurzfristig ebenfalls durch einen Ersatzzug ersetzt, einen IC der gleichen Modellreihe. Beim Einsteigen hörte ich im Vorbeigehen das bahnpersonal fluchen, was man ihnen heute für einen Sch*** hingestellt habe. Die Begrüßung hatte dann auch einen leichten, seufzenden Unterton:
„Meine Damen und Herren, willkommen im“ [kurze Pause, eigentlich folgt hier das Wort ICE] „… Zug nach Berlin Südkreuz mit Halt in Berlin Hauptbahnhof. Wir wünschen Ihnen, den Umständen entsprechend, eine angenehme Reise.”
Anhand seines Tonfalls wussten alle, was er meinte, denn eigentlich wollte er sagen: “…in einem sogenannten Zug…”. Hübsch sind die einfach nicht mehr.

„Hier noch ein Hinweis den gastronomischen Service betreffend. Dieser ist heute bei Null. Grund dafür ist: Die Original-Wagengarnitur stand heute leider nicht zur Verfügung. In dieser Wagengarnitur ist sind kein Imbiss und Getränke vorhanden. Wir bitten dies zu entschuldigen, hoffen aber, dass sie wenigstens eine schnelle Fahrt nach Berlin haben werden.“
Er kann ja auch nichts dafür. Pünktlich waren wir.