Von Stephan | Außerplanmäßig

Evakuierung eines ICE auf offener Strecke, nachdem ein Stromabnehmer beschädigt worden war
dasBahnblog-Leser Kenji berichtet von diesem Ereignis in einem Forum und hat auch ein paar Fotos geschossen.
Gestern ist der ICE3 in dem ich saß, mit einer Panne stehen geblieben (bei bahnhof Offingen). Wir wurden in den hinteren Zugteil evakuiert und hatten über dreieinhalb Stunden Verspätung. Ursache war laut Aussage über die Bordlautsprecher ein abgerissener Stromabnehmer. Viele Leute lesen in Zeitungsberichten über solche Panne. Sie können es sich aber bei weitem nicht vorstellen wie so etwas abläuft oder warum es so viel Zeit braucht, das Problem zu beheben. Daher habe ich hier den Verlauf chronologisch verfasst.
Die ganze Story: ICE Stromabnehmer abgerissen – mein Live Report
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Von Bahnkundschaft | Erfahrungen
Von Bahn-Kunde Ritsch
Ritsch war am 04.08.2008 morgens gegen 8.00 Uhr in einem ICE nach Basel unterwegs und erlebte folgendes:
Ich saß in der 1. Klasse am Übergang zur 2. Klasse und habe folgendes vernommen: Ein Fahrgast möchte in die Toilette. Die Zugbegleiterin: „Das ist die 1. Klasse-Toilette, gehen sie bitte in die 2. Klasse!“ Mit ihrer Erfahrung aus etlichen Dienstjahren bei der Bahn muss sie ihn als 2. Klasse-Fahrgast erkannt haben.
Ich frage mich nun: Wo ist der Unterschied zwischen einer 1. und einer 2. Klasse- Toilette? Ist die 1. Klasse-Toilette größer, wird sie öfter gereinigt, gibt es feuchtes Toilettenpapier? Vielleicht liegen dort die aktuellen Tageszeitungen bereit?
Oder wird man dort vom freundlichen Zugpersonal mit kleinen Snaks aus dem Bordbistro bedient?
Kann man die Toilette als 1. Klasse-Fahrgast gar Reservieren, oder gibt es die Möglichkeit bei der freundlichen Zugbegleiterin einen Übergang von der 2. Klasse- zur 1. Klasse-Toilette zu erwerben? Kann man dann dabei auch BahnCard-Punkte sammeln?
Mal angenommen die 2. Klasse-Toilette in diesem ICE ist genauso überfüllt wie der ICE regelmäßig selbst. Gibt es dann längere Aufenthalte an den Bahnhöfen um den 2. Klasse-Fahrgästen Gelegenheit zu geben ihre Notdurft zu erledigen? Bahnsteigraucher würden dies sicher begrüßen. Ich kann mir schon die Verpätungsdurchsagen an den Bahnhöfen vorstellen:
„Der ICE XY hat wegen Wartens auf Austrittreisende derzeit leider 10 Minuten Verspätung“. Wie mag das in sächselndem English klingen?
Eine daraus zu folgernde interessante Frage ist, ob ich als 1. Klasse-Fahrgast die 2. Klasse-Toilette benutzen darf. Oder darf ich sie öfter benutzen? Bestimmt habe ich „Vortritts-“ oder zumindest „Beisitzrecht“.
Aber was mache ich mir als „BahnComfort“-Kunde überhaupt Gedanken. Mit meiner „BahnCard First 100“ kann ich das ganze Jahr auf allen Toiletten aller Züge in Ganz deutschland Platz nehmen. Ausnahme: die Zugspitzbahn, denn dort gilt die Karte nicht. Aber da gibt es eh keine Toilette.
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Von Bahnkundschaft | Zu spät
Verspätung: 369 Minuten
Von Bahn-Kunde Volker Meißner
Vier freie Tage über Karneval, da bietet sich ein Kurzurlaub an. Als Ziel hatten wir Falkau im Hochschwarzwald ausgesucht. Von dort kann man zum Titisee, zum Schluchsee oder zum Feldberg wandern, Langlaufloipen gibt es vor der Haustür und genug Lifte für Skifahrer sind ebenfalls schnell zu erreichen. Dank der noch vorhandenen Lidl-Tickets war die Wahl des Verkehrsmittels schnell entschieden: für 132 Euro mit zwei Personen von Essen aus hin und zurück ohne Stress auf der Autobahn, ohne mögliche Staus und verschneiten Straßen: das ist in der Theorie nicht nur finanziell attraktiv. Laut Fahrplan dauert das mit ICE und Regionalbahn auch nur 5 Stunden und 2 Minuten. Das ist mit dem Auto kaum zu schaffen.
Nach Halt in Duisburg, Düsseldorf und Köln geht es auf die Sprinter-Strecke nach Frankfurt-Flughafen. Doch hier wird der Zug auf einmal deutlich langsamer, als man es gewöhnt ist. Ein freundlicher Zugchef verkündet, wegen Eisbildung könne man nicht mit der vorgesehene Geschwindigkeit fahren. Was soll’s, wir haben in Mannheim zehn Minuten zum Umsteigen und ICEs warten auch einige Minuten aufeinander. Doch es kam leider ganz anders.
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[2]
Von Stephan | Zu spät
Zu meinem Geburtstag am Sonntag hat mir die Deutsche Bahn ein ganz besonderes Geschenk ausgesucht: eine Ersatz-Lokomotive. Der IC, mit dem ich (aus Braunschweig kommend) von Wolfsburg nach Berlin fahre, darf deshalb statt mit vorgesehenen 200 Stundenkilometern maximal mit 140 fahren. So erreichen wir den Berliner Hauptbahnhof mit mindestens 30 Minuten Verspätung, wird uns kurz nach der Abfahrt mitgeteilt.
Vor dem Einstieg war den Fahrgästen natürlich noch nicht klar, warum der InterCity bereits mit 10 Minuten später in Wolfsburg eintraf. Dem Personal aber sehr wohl, denn der Ersatz-Zug war ja schon seit mehreren Stunden unterwegs, und dass der Fahrplan ab Wolfsburg nicht eingehalten werden kann, hätte man durchaus kundtun können. Vielleicht hätten sich ein paar Fahrgäste eine andere Route oder einen anderen Zug ausgesucht. Ich kam schließlich mit 35 Minuten Verspätung in Berlin an.
Der planmäßig in Wolfsburg rund 20 Minuten später abfahrende ICE wäre für mich leider keine Alternative gewesen, denn dieser wurde in Wolfsburg bereits mit 35 Minuten Verspätung angekündigt – wegen einer Störung am Triebfahrzeug übrigens.
Von Tina | Außerplanmäßig
…und zweitens als man denkt.
Mittwoch, 20.01.2010
17:00 Uhr – im Büro
Blick ins Internet auf die DB Seite „Ist mein Zug pünktlich?“ Ja, ist er! Ich kann es kaum glauben. Der ICE 70 hat keine Verspätung, nicht mal die obligatorischen 5 Minuten wegen „Verspäteter Übergabe aus dem Ausland“. Klasse, das wäre dann im Zeitraum von 14 Tagen das dritte Mal, dass ich an meinem Zielbahnhof vielleicht pünktlich ankomme (je mehr Zeit man mit und in der Bahn verbringt, desto bescheidener wird man in seinen Ansprüchen und freut sich auch über kleine Dinge des Lebens. Und sei es nur eine pünktliche Abfahrt).
Doch leider kam es anders.
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Von Stephan | Erfahrungen
Am Montag abend bin ich zwecks Abschluss meines Studiums von Berlin nach Flensburg gereist. Es war mal wieder eine spannende Tour.
Schon zu Beginn am Berliner Hauptbahnhof die erste Abweichung vom Reiseplan: der ICE 706 beginne wegen einer Störung am Triebfahrzeug gar nicht am Hauptbahnhof, sondern am Bahnhof Gesundbrunnen, wurde uns mitgeteilt. Dorthin gelange man mit einem anderen ICE (der eigentlich nach Westerland fährt), der wenige Minuten verspätet gleich am Nachbargleis einfährt. In Gesundbrunnen klappte der Umstieg in den wartenden ICE nach Hamburg ohne Probleme.
Dieser fuhr scheinbar ganz zügig, von der Störung am Triebfahrzeug spürte man jedenfalls nicht viel. Allein die Ankunft in Hamburg war 20 Minuten später als geplant. Mir machte das aber nichts: aufgrund der schlechten Anschlüsse in Richtung Norden hatte ich nun eben statt planmäßigen 50 Minuten nur noch 30 Minuten Aufenthalt. Ich kam an dem Abend noch pünktlich in Flensburg an.
Die Rückfahrt war dagegen entspannend und fast lustig, wäre es nicht im Grunde traurig. Sowohl von Neumünster nach Hamburg als auch von Hamburg nach Berlin waren im Fahrplan einst ICE-Züge vorgesehen. Doch von Neumünster nach Hamburg werden schon seit langem Ersatz-IC aus der letzten Epoche eingesetzt – mit einer völlig abgenutzten Inneneinrichtung in beige, türkis und Flieder und wenigen funktionierenden WCs.

„Ersatzzug zweiter Klasse“ ist übertrieben.

Oft zu sehen: ein unscheinbarer Aufkleber an der Tür zum WC.
Mein Anschlusszug vom Hamburg nach Berlin wurde dagegen sehr kurzfristig ebenfalls durch einen Ersatzzug ersetzt, einen IC der gleichen Modellreihe. Beim Einsteigen hörte ich im Vorbeigehen das bahnpersonal fluchen, was man ihnen heute für einen Sch*** hingestellt habe. Die Begrüßung hatte dann auch einen leichten, seufzenden Unterton:
„Meine Damen und Herren, willkommen im“ [kurze Pause, eigentlich folgt hier das Wort ICE] „… Zug nach Berlin Südkreuz mit Halt in Berlin Hauptbahnhof. Wir wünschen Ihnen, den Umständen entsprechend, eine angenehme Reise.”
Anhand seines Tonfalls wussten alle, was er meinte, denn eigentlich wollte er sagen: “…in einem sogenannten Zug…”. Hübsch sind die einfach nicht mehr.

„Hier noch ein Hinweis den gastronomischen Service betreffend. Dieser ist heute bei Null. Grund dafür ist: Die Original-Wagengarnitur stand heute leider nicht zur Verfügung. In dieser Wagengarnitur ist sind kein Imbiss und Getränke vorhanden. Wir bitten dies zu entschuldigen, hoffen aber, dass sie wenigstens eine schnelle Fahrt nach Berlin haben werden.“
Er kann ja auch nichts dafür. Pünktlich waren wir.
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Von Tina | Tipp
Wenn man als Pendler unterwegs ist, wird Zeit zu einem kostbaren Gut. Ich benötige für meine Arbeitstrecke ca. 2 Stunden von Haustür zur Haustür.
In der Regel geht’s morgens um 07:15 Uhr ab Kassel mit dem ICE 737 mit Halt in den „Unterwegsbahnhöfen“ Fulda und Hanau in Richtung Arbeitsplatz. Die Fahrzeit bis Frankfurt beträgt 1:30 Stunden. Würde der Zug nonstop fahren, wäre man in 1:21 Stunden in der Mainmetropole.
„Na und?“ werden Sie jetzt sagen, „die 10 Minuten, was macht das schon?“. Sie sind wahrscheinlich kein DB Bahn-Pendler, denn als Angehöriger dieser Spezies mutiert man über kurz oder lang zum Zeitfetischisten. Während Besitzer einer Payback Karte zum Punktejäger werden, gilt unsere Leidenschaft dem „Minuten sammeln“. Wie ein Eichhörnchen kurz vor dem Winter lesen wir die Zeit auf der Strecke auf und bunkern diese. Uns bleibt nichts anderes übrig: denn in Wahrheit
schreibt uns nicht der Arbeitgeber, sondern die DB AG vor, wann wir im Büro zu erscheinen haben (es sei denn, der Arbeitgeber ist die DB AG, aber das trifft nicht auf mich zu).
Wenn mal wieder eine betriebliche Störung auf dem Weg zum Job auftaucht, die eine Verspätung von 20 Minuten zur Folge hat, muss diese Zeit nachgearbeitet werden. Und genau aus diesem Grund versuchen wir in Anlehnung an die Empfehlung der „Grauen Herren“ Zeit zu sparen.
Es gibt einen Pendlertric (hier für die Strecke Kassel-Frankfurt), mit dem man die Fahrtzeit verkürzen kann. In meinen Fall erhalte ich dadurch fast 15 „Bonus“-Minuten. Dieser Trick hat leider einen kleinen Haken: er funktioniert nicht immer. Hier die Theorie zur Prozedur „Umsteigen in Fulda“:
- Der ICE 737 erreicht laut Fahrplan Fulda um 7:44 Uhr (Gleis 4)
- Um 7:44 Uhr fährt der „Sachsenexpress“ ICE 1656 ab (Gleis 3 selber Bahnsteig gegenüber)
- ICE 1656 fährt ab Fulda nonstop bis Frankfurt und triff dort um 08.41 Uhr ein.
- Und das wichtigste Argument schlechthin: er wird vor dem ICE 373 auf die Strecke geschickt.
Zeigt die Uhr nun kurz vor der Einfahrt in Fulda 7:43 Uhr, so recken auf einmal zig Pendler die Hälse und kleben mit der Nase an der Scheibe. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Durchführung einer orthopädischen Übung, sondern um den Versuch herauszufinden, ob der Sachsenexpress bereits eingefahren oder mit Verspätung gemeldet ist. Steht der ICE bereits am Gleis 4, so steigen nur noch die ganz hart Gesottenen aus und sprinten unter Einsatz ihres Lebens in Richtung ICE 1656.
Anfeindungen anderer Reisende, Olympia verdächtige Hürdensprünge über Gepäck und Kinder, blaue Flecken und Verluste diverser Utensilien (vorzugsweise Hausschlüssel), die sich aus offenen Taschen in die Freiheit der Bahngleise begeben werden dabei klaglos in Kauf genommen. Ab und zu kommt es auch zu spontanen Umarmungen zwischen Pendler und Zugbegleitpersonal, wenn man
trotz oben gehaltener Kelle und Abfahrtspfiff noch mitgenommen wird. So manch eine Ehe fand hier ihren Anfang (oder ihr Ende).
Hat der „Sachsenexpress“ jedoch Verspätung, kann man gemütlich umsteigen.
Soweit die Theorie. Und in der nächsten Stunde kommen wir dann zur Praxis…
Ausgetrickst: Umstieg in Fulda“
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Von Stephan | Außerplanmäßig
Ich ziehe Zwischenfälle bei der Bahn offenbar magisch an. Sogar in stehenden Zügen gibt es etwas zu erleben, wenn ich dabei bin. Im „Science-Express“ gab es einen Stromausfall. Das Motto der Austellung: Expedition Zukunft. Düster, düster, diese Zukunft…
Vor ein paar Tagen hielt der Science Express (habe schon einmal darüber berichtet) in Potsdam. Zwar nicht im Hauptbahnhof, wie zunächst geplant, sondern auf einem Abstellgleis hinter dem Bahnhof Potsdam-Rehbrücke am südlichen Stadtrand. Immerhin gab es einen kostenlosen Shuttle-Service mit Bussen. Ich und meine zwei Begleiter nahmen aber den Regionalzug vom Bahnhof „Potsdam-Medienstadt Babelsberg“. (Der hieß fürher mal Drewitz, aber kurze Namen sind ja langweilig.)
Die Elektro-Lok, die normalerweise die Waggons der rollenden Wissenschaftsausstellung bewegt und wohl auch mit Strom versorgt, stand auf dem Parallelgleis. Denn das Abstellgleis ist nicht elektrifiziert, dort gibt es also keine Oberleitung. Über ein dickes Kabel war sie mit den Waggons verbunden. Als wir ungefähr im mittleren der 12 Wagen waren, wurde es plötzlich dunkel – Stromausfall. Und der Zug hat keine Fenster. Offenbar war das aber nicht der erste Ausfall, konnte man den Gesprächen der Ausstellungs-Begleiterinnen entnehmen, die die Besucher beruhigten, und versprachen, dass es in ein paar Minuten wieder Licht gäbe.
Nacheinander wurden dann die einzelnen Waggongs wieder eingeschlatet, die Computer für die interaktiven Ausstellungsstücke wurden hochgefahren.
Ich kann die Ausstellung immer noch empfehlen. Der Zug ist gerade in Wolfsburg und wird dann noch an 10 weiteren Bahnhöfen seine Türen öffnen:
22.10. bis 24.10. 2009 – Wolfsburg
25.10. bis 27.10. 2009 – Bremerhaven
28.10. bis 29.10. 2009 – Schwerin
30.10. bis 31.10. 2009 – Rostock/Warnemünde
02.11. bis 04.11. 2009 – Kassel
05.11. bis 07.11. 2009 – Limburg-Weilburg
08.11. bis 10.11. 2009 – Wiesbaden
12.11. bis 14.11. 2009 – Trier
15.11. bis 17.11. 2009 – Marburg
18.11. bis 20.11. 2009 – Kehl
22.11. bis 24.11. 2009 – Berlin
Fotos vom Ausstellungszug (Startbahnhof Berlin) im Web-Abum
Zur Webseite des Projektes: www.expedition-zukunft.org
Von Tina | Ärgerlich
Ich gehöre nicht zu den Wagemutigen, die auf Teufel komm raus „Bonusminuten“ mittels der genannten Prozedur „Umsteigen in Fulda“ sammeln, aber wenn der „Sachsenexpress“ Verspätung hat, nutze ich die Gelegenheit schon mal.
So auch heute. Wir standen schon am Bahnhof auf Gleis 4, die Türen waren offen, als auf Gleis 3 meine Chance „Sparen Sie 15 Minuten“ einfuhr. Gerechnet hatte ich damit nicht, deswegen saß ich noch leicht dösend im Abteil und sah meine Welt nur verschwommen (ich trage harte Kontaktlinsen und nehme diese während der Zugfahrt heraus. Wenn ich mit Kontaktlinsen schlafen würde, könnte man danach vermuten, ich hätte Kaninchen als Vorfahren). Zeit, meine Linsen einzusetzen hatte ich nicht, auf eine Brille konnte ich nicht zurückgreifen, also stürmte ich blindlings aus dem Zug auf die andere Bahnsteigseite in der Hoffnung, dass dieser Zug auch wirklich nach Frankfurt fährt. Er hatte es laut Bahnsteigansage auch tatsächlich vor.
Mit einem beruhigten Gefühl betrat ich den ICE und kurz danach einen Waschraum mit dem Ziel, mein Sehvermögen wieder zu verbessern. Durch den Lüftungsschacht klangen die bekannten Geräusche des Bahnhofes: das Scheppern des Güterzuges, das Piepen der Türen, wenn der Zugbegleiter die Schließautomatik außer Kraft setzt, der kurze Gong, der mich immer an eine Türklingel erinnert, das Knacken der Lautsprecher im Zug, wenn jemand zum
Mikrofon greift:
„Meine Damen und Herren, aufgrund eines Triebkopfschadens wird sich unsere Weiterfahrt noch um einige Minuten verzögern. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.“
Es wundert mich bis heute, dass nicht unmittelbar danach jemand mit den Worten „Geht es Ihnen gut? Benötigen Sie Hilfe oder brauchen Sie einen Arzt?“ an die Toilettentüre klopfte, denn mein Aufstöhnen musste durch den gesamten ICE zu hören gewesen sein. Da stand ich nun: auf der rechten Zeigefingerspitze balancierte meine Haftschale für das rechte Auge, auf dem linken war ich immer noch blind und durch den Lüftungsschacht hörte ich die Ansage:
„An Gleis 4: Bitte einsteigen. Vorsicht an den Türen, der Zug fährt ab.“
Das war nicht mein Gleis! Das war das Abfahrtssignal für den ICE, den ich soeben verlassen hatte! Ich schaffte es noch, mich auf dem linken Auge wieder sehend zu machen, aus der Nasszelle zu stürmen und den ICE 373 bei seinem majestätischem Abgang aus dem Bahnhof Fulda zu bestaunen. Der Zugbegleiter neben mir meinte: „Es heißt, dass der Triebkopfcheck nur ein paar Minuten dauert. Hoffen und beten wir!“
Unsere Bitten wurden erhört (bei wem auch immer). Mit 10 Minuten Verspätung und somit fast zur regulären Zeit traf ich in Frankfurt ein. Umsteigen in Fulda? Auf absehbare Zeit werde ich dies nicht mehr machen. Dann doch eher Lotto spielen.
Von Tina | Erfahrungen
Will man erfolgreich einen Sitzplatz ohne Reservierung erobern ist es wichtig, dass man als einer der ersten Passagiere den Zug betritt. Dafür ist es von Vorteil, wenn man am Bahnsteig genau an der Stelle steht, an der sich später die Zugtüre befindet. Als Orientierungshilfe dienen dabei die täglichen Pendler, die man leicht erkennen kann: die meisten reisen mit leichtem Gepäck, sprich Handtasche, Laptoptasche oder beides. Manche tragen auch noch Stoffbeutel (in der Hand
natürlich).
Ist man sich unsicher bezüglich der exakten Warteposition, sollte man Ausschau nach einem kleinen Menschenauflauf mit den genannten Attributen halten, die sich scheinbar ohne Grund wie die Zugvögel in bestimmten Bereichen des Bahnsteigs zusammenrotten. Dieses Phänomen kann man im Frankfurter Hauptbahnhof hervorragend montags bis freitags jeweils um 16.45 Uhr und 17.45 Uhr auf Gleis 9 beobachten, kurz bevor der ICE Richtung Mannheim einfährt. Verhaltens- und Chaosforscher hätten ihre helle Freude an diesem wiederkehrenden Schauspiel.
Inzwischen kenne auch ich die Haltepunkte relativ gut und so eroberte ich erfolgreich an diesem Freitagnachmittag als zweite den ICE 974 nach Kiel. Ich konnte meinen Lottogewinn kaum fassen: ein nicht reservierter Gangplatz in einem Ruhe-Abteil. Na gut, ich musste erst einmal mit den restlichen Abteil-Insassen diskutieren, bevor ich mich dort drapieren konnte.
„Guten Tag, ist dieser Platz noch frei?“ – „Eigentlich nicht, na ja vielleicht aber doch…“ – „Äh, ich verstehe Sie nicht ganz. Draußen an der Reservierungsanzeige ist nichts angeschlagen, sitzt hier denn jetzt jemand?“ – „Na ja, das kann ich nicht so genau sagen.“ – „??“ – „Die Plätze sind reserviert, wir kommen aus ganz Deutschland und es werden vielleicht noch zwei in Frankfurt zusteigen. Aber dass wissen wir noch nicht genau.“
Spätestens an dieser Stelle hätten mich meine Pendler-Sensoren vor den Insassen warnen sollen. Um diesen etwas surrealistischen Dialog zu beenden, schlug ich vor, dass ich aufstehen werde, falls die ominösen Mitfahrer noch auftauchen sollten. Sie betraten kurz nach der Abfahrt die Bühne, allerdings nur in der Einzahl. Die zweite Dame (es waren Pfadfinder) schien offenbar irgendwo in Frankfurt abhanden gekommen zu sein. Glück für mich, dachte ich, Pech für den Scout.
Die Scouts haben sich laut Wikipedia an ein Pfadfindergesetz zu halten. Ein Punkt darin lautet: Als Pfadfinder sage ich, was ich denke, und tue, was ich sage. Ich kann seit Freitag bestätigen, dass die erwähnten mitreisenden Pfadfinder sich definitiv Gesetzestreu verhalten. Ohne Punkt und Komma wurde geredet. Nun weiß ich, dass…
- Thomas gegen Ende des Jahres aufhören wird, weil er Prioritäten setzen muss
- man nicht begeistert ist, wenn Stefan nun Nachfolger wird
- es als Reiseproviant belegte Brötchen mit zu dick geschnittenem Gouda gibt
- man in diesem Supermarkt nur dick geschnittene Goudascheiben erhält, weil die
Käsefachfrau nicht anders schneiden kann
- es ansonsten noch Äpfel gibt
- Carmen sich sehr gerne um irgendwas kümmern und man sich demnächst in Frankfurt treffen wird (ich kenne nun sogar ihre Adresse)
- und dass die Buttons am Halstuch selbst gemacht sind.
Wir fuhren gerade an Gelnhausen vorbei. Es lagen noch ca. 70 Minuten vor mir.
Ich ergriff die Flucht. Kurz darauf durfte ich auf dem Gangboden zwischen den Abteilen und dem Großraumwagen sitzend einen knuffigen ca. anderthalbjährigen Knirps bei seiner Erkundungstour durch den Zug beobachten. Somit haben die Pfadfinder wieder eine gute Tat getan, denn hätten sie sich an die Regeln der
Ruhezone gehalten, ich hätte den frechen Dachs, der mit seinen Showeinlagen den halben Waggon zum Grinsen brachte, verpasst.
Merci dafür!
Von Tina | Erfahrungen
Es war Freitagnachmittag und das bedeutet: Wochenende! Mein Computer teilte mir dieses Highlight bereits heute Morgen um 11.00 Uhr mit und kappte schon mal prophylaktisch die Verbindung zum Büroserver. Er befürchtete wahrscheinlich, dass mir die Tatsache, „Freitag ab Eins macht jeder Seins“ nicht bewusst war und ich wohlmöglich noch den Samstag und Sonntag im Büro verbringen würde (und er somit ebenfalls der Leidtragende wäre. Ach Marvin, du hast es schon schwer mit mir).
Dummerweise stand um 13.00 Uhr noch eine Telefonkonferenz auf dem Programm. Art der Konferenz: eine Computerschulung. Dankeschön! So verfiel ich dann seinem kleinen Bruder (Notebook), drehte dem abtrünnigen Platinengenossen meinen hübschen Rücken zu und verschwand zunächst im Online-Seminar und anschließend in Richtung Heimat.
Wie an einem Freitagnachmittag üblich sind die Züge gen Norden immer recht voll. Einen Sitzplatz ohne Reservierung zu erwischen gleicht dem Spiel „Reise nach Jerusalem“, nur unter sehr verschärften Bedingungen. Die Genfer Konventionen werden hier an manchen Tagen (kurz vor Weihnachten, Gründonnerstag) bewusst ignoriert, Kollateralschäden bereits die Reisebilanz mit einkalkuliert. Mein Pendler-Betriebsergebnis umfasst z.B.:
- schmerzende große Zehen (ich habe das Spiel „Fußtreten“ schon in der Grundschule gehasst)
- Kaffeeflecken auf der Oberbekleidung, bei guten Reflexen nur auf den Schuhen (selbst schuld, was muss ich mir auch noch kurz vor der Abfahrt einen Kaffee bei Ditsch holen)
- Laufmaschen, verursacht durch auf Rollen applizierte Ikea-Kleiderschränke. Kommt bei den Herren eher recht selten vor. Nicht die Kleiderschränke, sondern die Laufmaschen. Obwohl, wenn mal wieder die BePo mit im Zug fährt, kann auch schon mal ein Kleiderschrank vorkommen. Ob der allerdings auf Rollen ist und Laufmaschen verursacht…
Entschuldigung, ich war gerade mit meinen Gedanken woanders. Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja – diesmal hatte ich ein nahezu unverschämtes Glück. Ich fand in einem Abteil einen freien Gang-Sitzplatz. Aber: Wie geronnen, so zerronnen.
Von Tina | Erfahrungen
- (Dr. Robert „Nichtraucher“ Uthofft: siehe Das fliegende Klassenzimmer 1973)
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, heißt es. Das stimmt, man gewöhnt sich mit der Zeit an Widrigkeiten, die man kurz vorher noch auf das Vehementeste verflucht hat. Gehört man zur Gattung der Berufspendler (in meinem Fall auf der Strecke Kassel-Frankfurt) stellt man aber auch mit Erstaunen fest, dass der Zeitraum für die evolutionäre Anpassung durchaus nicht generationsübergreifend sein muss.
Bei mir reichten ganze 19 Monate, um mich in der ökologischen Nische „Pendeln im DB Fernverkehr“ zu akklimatisieren (diplomierte Biologen mögen Nachsicht mit mir haben, ich hatte nur Bio-Grundkurs und das ist inzwischen auch schon mehr als eine Dekade her). Ja, ich habe mich angepasst:
- Ich saß an Gründonnerstagen mit angewinkelten Beinen in überfüllten Zügen an der Tür. Ich wusste bis dato gar nicht, dass ich noch so gelenkig bin.
- Ich habe im tiefsten Winter klaglos eine insgesamt knapp vierstündige Fahrt von FfM nach Kassel über Aschaffenburg dank eingefrorener Weichen über mich ergehen lassen
- Ich saß von Juli bis August 2008 und Juni bis August 2009 abends ab 17.58 Uhr erst mit Ohropax in einem Ersatz-IC (Bahn-Euphemismus für den Interregio) und dann mit Ohrenschmerzen auf meinem Balkon (Stichwort Druckausgleich und schlechte Isolierung der IR-Waggons).
- Ich habe die diversen „Weißen Foltermethoden für Pendler“ der DB AG mit Todesverachtung über mich ergehen lassen: Sei es die erfolgreiche Sitzplatzeroberung an einem Donnerstagabend im ICE 70 (5 Minuten
später kam die Durchsage, dass aufgrund eines technischen Defekts der Zug hier in FfM ausgesetzt wird, man versuche einen Ersatzzug zu organisieren. Ob es gelang, mal sehen). Oder z.B. der Halt auf freier Strecke mit der Durchsage: „[…] Leider liegt in unserem Streckenabschnitt vor uns ein defekter Güterzug. Die Weiterfahrt wird sich auf unbestimmte Zeit verzögern […].“ Der Lokführer mit mir im Abteil, der sich auf dem Weg zu seinem Einsatz befand, teilte seinem abzulösenden Kollegen optimistische 10 Minuten Verspätung mit. (Kommentare zur tatsächlichen Verspätungszeit werden gerne entgegen genommen)
- Die DB Variante der „Chinesischen Foltermethode“ lockt ebenfalls nur noch ein müdes Lächeln bei mir hervor: „Der ICE XYZ wird aufgrund von [Gründe bitte hier einsetzen *] circa 5 Minuten später eintreffen.“ Aus den 5 werden 10, dann 15 und zu guter Letzt (wenn man Glück hat) wird der ICE mit 20 Minuten Verspätung einfahren (und mit 30 dann den Bahnhof wieder verlassen).
Und wenn der ICE 373 am 17.09. mit einem Wagen weniger angekündigt wird, dann akzeptiere ich das (Ordnungsnummer 6 war mal wieder abhanden gekommen. Böse Zungen behaupten ja, dass der Ex-Chef diesen in seiner Schrebergartenanlage stehen hat, zwecks Nostalgie. Aber vielleicht ist er
auch nur einfach ein Fan von Kästners „Fliegendem Klassenzimmer“).
Selbst wenn zwei wichtige Faktoren auftreten, die das Chaos vorprogrammieren:
1. Es steigen in Kassel zwar sehr viele Pendler zu, aber leider nur sehr wenige aus.
2. Am 17.09. war offizieller Auftakt der IAA 2009 in Frankfurt.
3. Es kam, wie es kommen musste: der Zug war voll, und zwar richtig.
Nein, ich probte nicht den Aufstand zum kostenfreien Upgrade zur ersten Klasse. Auch machte ich mich nicht auf den Weg und sprach einen Zugbegleiter, der im Dienstabteil saß, auf die Tatsache an, dass ich EUR 409,- im Monat für die Streckenzeitkarte zahle und nun ab 07.20 Uhr bis 08.44 Uhr auf dem Boden gegenüber der Toilette sitzen durfte. Denn ich weiß: manchmal verliert man und manchmal gewinnen die Anderen.
Anmerkungen:
Ich habe es trotzdem versucht, aber ich scheiterte genauso wie die beiden Bundespolizisten, die – während der Zug sich dem Frankfurter Hbf näherte – die Abkürzung durch die 1. Klasse nehmen wollten: „Es ist den 2. Klasse Passagieren verboten, die 1. Klasse zu benutzen. Dies gilt auch für Sie.“ (Zitat der Zugbegleiterin, die für die Betreuung der 1. Klasse zuständig war und zerberusgleich über diese wachte).
- (*) Bauarbeiten an der Strecke, Beeinträchtigungen durch Vandalismus, Notarzteinsatz/Polizeiermittlung, betriebsbedingte Störungen, Verzögerungen im Betriebsablauf, Personen (oder wahlweise Tiere) im Gleis, Unwetterstörungen, Triebkopfschaden (von Pendlern sehr gefürchtet) usw…