18.02.11S-Bahn Berlin: Hund sorgt für Zugausfälle

Von Stephan  |  Außerplanmäßig

Gestern morgen mitten im Berufsverkehr überlegte sich ein Hund, er könne doch mal über die Gleise spazieren – und löste damit Verspätungen und Zugausfälle aus. Die Stadtbahn-Strecke quer durch Berlin wurde auf Anordnung der Bundespolizei für eine Sunde gesperrt, nicht nur für die S-Bahn, auch für Regional- und Fernverkehr. Anscheindend war ein Großaufgebot der Polizei damit beschäftigt, das Tier einzufangen (laut ersten Meldungen auf Twitter). Nur zögerlich konnten anschließend Verspätungen wieder aufgeholt werden.

Ich selbst stand am Bahnhof Griebnitzsee. Erst fünf Minuten nach der planmäßigen Abfahrtszeit gab es eine Ansage, dass der Zug ausfällt und der nächste dann in 20 Minuten kommt. Der fuhr dann nicht sofort weiter, sondern wartete noch 6 oder 7 Minuten auf den Gegenzug, denn die Strecke ist teilweise nur eingleisig. Dementsprechend übertragen sich Verspätungen leicht von einem Zug zum nächsten. Mich hat die Aktion am Ende eine halbe Stunde mehr Fahrzeit gekostet, und ich hoffe, der Hund war gut versichert, so ein Polizeieinsatz dürfte nicht ganz billig sein.

Ein katalanischer Hirtenhund (Symbolbild) soll für die Sperrung verantwortlich sein
Ein katalanischer Hirtenhund (hier ein Artgenosse) soll die Sperrung ausgelöst haben

Die Berliner Morgenpost meldet, die Suchaktion der Bundespolizei verlief erfolglos, der katalanische Hirtenhund sei aber von alleine zur Besitzerin zurückgekehrt.

Berliner Morgenpost: Hirtenhund legt die S-Bahn lahm

20.12.10Chaos hautnah bei der S-Bahn Berlin (II)

Von Stephan  |  Chao-S-Bahn

Neue Woche, neues Glück? Heute hat mich die S-Bahn vollständig im Stich gelassen. Nach über 30 Minuten warten bei minus 5 Grad am Bahnhof Griebnitzsee habe ich mal wieder bei der Hotline angerufen. Schon beim ersten Versuch hatte ich einen freunlichen Herrn am Telefon, aber wann die nächste Bahn in Richtung Berlin fahren wird, konnte er mir nicht sagen.

In Potsdam, dem Startbahnhof der Linie S7, stehe zur Zeit kein Zug bereit. Der nächste ist mit 35 Minuten Verspätung noch in der Gegenrichtung unterwegs, das könne noch dauern. Das heißt, mindestens noch 30-40 Minuten warten.

Schlecht gelaunt habe ich aufgegeben und bin wieder mit dem Auto nach Hause gefahren. Kaum sitze ich drin, fährt eine S-Bahn ein – meine S-Bahn, auf die ich gewartet hatte. Und die ich nun verpasste. Ich fühle mich wirklich auf den Arm genommen.

Ich habe direkt noch einmal bei der Hotline angerufen, und nachdem ich 10 Mal mit der Bandansage (”…alle Mitarbeiter im Gespräch… später noch einmal versuchen…”) abgewimmelt wurde, sprach ich mit dem selben Herrn. Anscheinend arbeiten dort nicht sehr viele Menschen. Zwei Minuten nach unserem Gespräch habe er auf dem Bildschirm die S-Bahn losfahren sehen. Es täte ihm leid, aber das System habe die Bahn nicht anzeigen können, weil die Fahrt so nicht geplant war.

Naja, was läuft schon planmäßig bei der S-Bahn.

Am S-Bahnhof. Wet und breit kein Zug.

19.12.10Chaos hautnah bei der S-Bahn in Berlin

Von Stephan  |  Chao-S-Bahn

Die S-Bahn Berlin hat es geschafft, mich wütend zu machen. Manchmal, wenn ich an einem vereisten, schneebedeckten Bahnsteig stehe und auf eine S-Bahn warte, komme ich mir vor wie in einem Traum. Aber es ist die traurige, kalte Realität.

Es ist Freitag Abend gegen 21:30 Uhr. Im Randgebiet von Berlin bricht gerade ein zentraler Teil des öffentlichen Nahverkehrs zusammen. Das ist der Eindruck, den ich gerade gewinne.

Ich stehe bei gefühlten -10 Grad am Bahnhof Charlottenburg. Die S-Bahn nach Spandau hat bereits das grüne Signal zur Abfahrt bekommen, da öffnen sich noch einmal die Türen. Eine Tür hakt und kann nicht richtig geschlossen werden. Der Fahrer kommt mit einem kleinen Hämmerchen und versucht, die Trittstufe von Schnee und Eis zu befreien. “Ja, ich mach das heute öfter. Vielleicht klappt’s, es geht gleich weiter”, beruhigt er leicht resignierend die fragenden Fahrgäste. Er verriegelt die Tür, sie ist jetzt nicht mehr benutzbar. Er geht zurück nach vorne, der Signalton ertönt, alle Türen schließen sich – bis auf eine im nächsten Wagen. Der Fahrer kommt mit seinem Hämmerchen zurück.

Auf dem Nachbargleich fährt eine weitere S-Bahn ein – ebenfalls nach Spandau. Unterdessen bei der Bahnsteigaufsicht: Eine Frau beschwert sich lauthals, sie wartet offenbar schon über 30 Minuten auf eine Bahn nach Potsdam. Andere Fahrgäste nehmen den Mitarbeiter der Bahn in Schutz. Der Mann macht auch nur seinen Job, das keine Bahn kommt, dafür kann er nichts. Aber die Passagiere sind sich einig, so kann es doch nicht weitergehen.

Eine S7 fährt ein – und endet an diesem Bahnhof. Wegen des Wintereinbruchs fährt nur jede zweite Bahn bis Potsdam, die anderen kehren schon in Charlottenburg wieder um, um wenigstens auf der Hauptstrecke regelmäßigen Verkehr anzubieten. Offenbar macht aber auch die Anzeigetafel Probleme. Die letzte Bahn, die nach Potsdam fuhr, war wohl als S3 oder S5 nach Spandau angezeigt worden, nicht als S7 nach Potsdam. Verwirrung, Verärgerung, Frust und Unverständnis bei den Fahrgästen.

Eine Ansage ertönt. Wegen einer Weichenstörung wird der Zugverkehr in Richtung Wannsee und Potsdam jetzt vorübergehend eingestellt. Wir sollen auf die Regionalbahn oder auf die U-Bahn ausweichen. Empörung und Wut machen sich breit. Ich stelle mich schon auf eine lange Reise mit zahlreichen Umstiegen ein und suche den Weg zum Regionalbahnsteig. Zum anderen Teil des Bahnhofs sind es einige Gehminuten.

Unterwegs rufe ich bei der Hotline der S-Bahn an, um zu erfahren, wie ich jetzt am besten an mein Ziel komme. Ich werde von einer Bandansage vertröstet, ich solle es einfach später wieder probieren. Beim dritten Versuch klappt es. Eine Mitarbeiterin sieht an ihrem Bildschirm nichts von einer Streckensperrung, aber kann mir nach einer längeren Pause verraten, dass in diesem Augenblick eine S7 mit dem Fahrtziel Potsdam einfährt. Ich hake ungläubig nach – nach Potsdam? Keine Weichenstörung?

Ich drehe um, laufe die Treppe wieder hinauf und sehe die Rückseite des abfahrenden Zuges. Am Zug steht “S7 – Potsdam”. Ich könnte schreien.

Ich klingele an der Tür der Aufsicht. Ein sichtlich gestresster Herr in DB-Uniform öffnet und bestätigt mir, dass dort tatsächlich eben en Zug nach Potsdam abgefahren ist. Die nächste S7, die gerade ankommt, fährt allerdings nur eine Station bis Westkreuz. Wann ich nach Potsdam fahren kann, weiß er nicht. “Ich kann nicht mehr. Mein Herz…” sagt er, bevor zurück zu seinem Pult eilt. Er tut mir leid. Seine Schicht hatte gerade erst begonnen.

Ich steige frustriert ein. Ich will hier weg. An der nächsten Station warte ich 15 Minuten auf die richtige S7, um dann schließlich an der Station Griebnitzsee aussteigen zu können.

19.12.10Vom Abenteuer Bahn fahren - Ein Gastartikel

Von Bahnkundschaft  |  Zu spät

Erlebt und aufgeschrieben von Anne Klein

Es war einmal ein schöner weißer Zug, der von Hamburg aus nach Lutherstadt Wittenberg fahren wollte. Dort sollte sich dieser teilen, sodass der eine Zugabschnitt weiter nach München, der andere hingegen nach Frankfurt fahren würde. Trotz Schneechaos traf der Zug nur ca. 10 Minuten später in seiner Zwischenstation, dem Berliner Hauptbahnhof, ein.

Durch eindeutige Hinweise wusste jeder Reisende, in welches Abteil des Zuges er einsteigen müsse. Als alle Reisenden einen Platz im Zug gefunden haben, kam eine Ansage des Zugbegleiters: “Meine Damen und Herren, in Berlin wurden leider die Anzeigen des Zuges vertauscht, bitte wechseln Sie jeweils in den anderen Zugabschnitt. Wir bitten um Ihr Verständnis.”

Nun begann das Chaos. Denn nun rannten um die 150 Reisenden vom vorderen Teil des Zuges zum hinteren, und vom hinteren zum vorderen. Was für ein Spaß. Mit gefühlten 20 Minuten Verspätung ging die Reise weiter. Die Reisenden reagierten schon leicht genervt, da halfen auch keine weiteren Entschuldigungen des Zugpersonals. Doch es sollte noch schlimmer werden.

Wie bereits erwähnt, fuhr der Zug nach Wittenberg, um dort geteilt zu werden. Die Stimmung unter den Reisenden schien sich langsam wieder zu heben, als eine weitere Durchsage in Lutherstadt zu hören war: “Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass sie noch einmal Ihren Zugabschnitt wechseln müssen. Der erste Abschnitt fährt nun nach München, der zweite nach Frankfurt.” Und nun begann Chaos Nummer zwei. Denn jetzt mussten rund 400 bis 500 Menschen (!) über den gut zwei Meter breiten Bahnsteig (zzgl. Schnee) rennen. Dass dabei niemand ums Leben kam, ist ein wahres Wunder. Scheinbar hat jeder diesen Lauf geschafft.

Und da soll jemand noch sagen, dass die Bahn die Kunden nicht ausreichend unterhalte…

Schade, dass es sich bei dieser vermutlich einzigartigen Geschichte um kein Märchen handelt, sondern um eine wahre Begebenheit, die ich am vergangenen Sonntag leider selbst miterleben musste. Mit optimistischen 25 Minuten Verspätung kam der Autor dieses Textes an seinem Reiseziel an. Was den anderen Reisenden noch an wunderbaren Ereignissen bevorstand, werden wir wohl nie erfahren…

01.06.10Stromabnehmer abgerissen: Panne eines ICE 3

Von Stephan  |  Außerplanmäßig

Evakuierung eines ICE3, nachdem ein Stromabnehmer beschädigt wurde
Evakuierung eines ICE auf offener Strecke, nachdem ein Stromabnehmer beschädigt worden war

dasBahnblog-Leser Kenji berichtet von diesem Ereignis in einem Forum und hat auch ein paar Fotos geschossen.

Gestern ist der ICE3 in dem ich saß, mit einer Panne stehen geblieben (bei bahnhof Offingen). Wir wurden in den hinteren Zugteil evakuiert und hatten über dreieinhalb Stunden Verspätung. Ursache war laut Aussage über die Bordlautsprecher ein abgerissener Stromabnehmer. Viele Leute lesen in Zeitungsberichten über solche Panne. Sie können es sich aber bei weitem nicht vorstellen wie so etwas abläuft oder warum es so viel Zeit braucht, das Problem zu beheben. Daher habe ich hier den Verlauf chronologisch verfasst.

Die ganze Story: ICE Stromabnehmer abgerissen – mein Live Report

27.05.10Zwei-Klassen-Gesellschaft

Von Bahnkundschaft  |  Erfahrungen

Von Bahn-Kunde Ritsch

Ritsch war am 04.08.2008 morgens gegen 8.00 Uhr in einem ICE nach Basel unterwegs und erlebte folgendes:

Ich saß in der 1. Klasse am Übergang zur 2. Klasse und habe folgendes vernommen: Ein Fahrgast möchte in die Toilette. Die Zugbegleiterin: „Das ist die 1. Klasse-Toilette, gehen sie bitte in die 2. Klasse!“ Mit ihrer Erfahrung aus etlichen Dienstjahren bei der Bahn muss sie ihn als 2. Klasse-Fahrgast erkannt haben.

Ich frage mich nun: Wo ist der Unterschied zwischen einer 1. und einer 2. Klasse- Toilette? Ist die 1. Klasse-Toilette größer, wird sie öfter gereinigt, gibt es feuchtes Toilettenpapier? Vielleicht liegen dort die aktuellen Tageszeitungen bereit?
Oder wird man dort vom freundlichen Zugpersonal mit kleinen Snaks aus dem Bordbistro bedient?

Kann man die Toilette als 1. Klasse-Fahrgast gar Reservieren, oder gibt es die Möglichkeit bei der freundlichen Zugbegleiterin einen Übergang von der 2. Klasse- zur 1. Klasse-Toilette zu erwerben? Kann man dann dabei auch BahnCard-Punkte sammeln?

Mal angenommen die 2. Klasse-Toilette in diesem ICE ist genauso überfüllt wie der ICE regelmäßig selbst. Gibt es dann längere Aufenthalte an den Bahnhöfen um den 2. Klasse-Fahrgästen Gelegenheit zu geben ihre Notdurft zu erledigen? Bahnsteigraucher würden dies sicher begrüßen. Ich kann mir schon die Verpätungsdurchsagen an den Bahnhöfen vorstellen:
„Der ICE XY hat wegen Wartens auf Austrittreisende derzeit leider 10 Minuten Verspätung“. Wie mag das in sächselndem English klingen?

Eine daraus zu folgernde interessante Frage ist, ob ich als 1. Klasse-Fahrgast die 2. Klasse-Toilette benutzen darf. Oder darf ich sie öfter benutzen? Bestimmt habe ich „Vortritts-“ oder zumindest „Beisitzrecht“.

Aber was mache ich mir als „BahnComfort“-Kunde überhaupt Gedanken. Mit meiner „BahnCard First 100“ kann ich das ganze Jahr auf allen Toiletten aller Züge in Ganz deutschland Platz nehmen. Ausnahme: die Zugspitzbahn, denn dort gilt die Karte nicht. Aber da gibt es eh keine Toilette.

28.02.10Spitzenleistung: Sechs Stunden Verspätung bei einer fünfstündigen Bahnfahrt

Von Bahnkundschaft  |  Zu spät

Verspätung: 369 Minuten

Von Bahn-Kunde Volker Meißner

Vier freie Tage über Karneval, da bietet sich ein Kurzurlaub an. Als Ziel hatten wir Falkau im Hochschwarzwald ausgesucht. Von dort kann man zum Titisee, zum Schluchsee oder zum Feldberg wandern, Langlaufloipen gibt es vor der Haustür und genug Lifte für Skifahrer sind ebenfalls schnell zu erreichen. Dank der noch vorhandenen Lidl-Tickets war die Wahl des Verkehrsmittels schnell entschieden: für 132 Euro mit zwei Personen von Essen aus hin und zurück ohne Stress auf der Autobahn, ohne mögliche Staus und verschneiten Straßen: das ist in der Theorie nicht nur finanziell attraktiv. Laut Fahrplan dauert das mit ICE und Regionalbahn auch nur 5 Stunden und 2 Minuten. Das ist mit dem Auto kaum zu schaffen.

Nach Halt in Duisburg, Düsseldorf und Köln geht es auf die Sprinter-Strecke nach Frankfurt-Flughafen. Doch hier wird der Zug auf einmal deutlich langsamer, als man es gewöhnt ist. Ein freundlicher Zugchef verkündet, wegen Eisbildung könne man nicht mit der vorgesehene Geschwindigkeit fahren. Was soll’s, wir haben in Mannheim zehn Minuten zum Umsteigen und ICEs warten auch einige Minuten aufeinander. Doch es kam leider ganz anders.

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09.02.10Verspätung: geschenkt.

Von Stephan  |  Zu spät

Zu meinem Geburtstag am Sonntag hat mir die Deutsche Bahn ein ganz besonderes Geschenk ausgesucht: eine Ersatz-Lokomotive. Der IC, mit dem ich (aus Braunschweig kommend) von Wolfsburg nach Berlin fahre, darf deshalb statt mit vorgesehenen 200 Stundenkilometern maximal mit 140 fahren. So erreichen wir den Berliner Hauptbahnhof mit mindestens 30 Minuten Verspätung, wird uns kurz nach der Abfahrt mitgeteilt.

Vor dem Einstieg war den Fahrgästen natürlich noch nicht klar, warum der InterCity bereits mit 10 Minuten später in Wolfsburg eintraf. Dem Personal aber sehr wohl, denn der Ersatz-Zug war ja schon seit mehreren Stunden unterwegs, und dass der Fahrplan ab Wolfsburg nicht eingehalten werden kann, hätte man durchaus kundtun können. Vielleicht hätten sich ein paar Fahrgäste eine andere Route oder einen anderen Zug ausgesucht. Ich kam schließlich mit 35 Minuten Verspätung in Berlin an.

Der planmäßig in Wolfsburg rund 20 Minuten später abfahrende ICE wäre für mich leider keine Alternative gewesen, denn dieser wurde in Wolfsburg bereits mit 35 Minuten Verspätung angekündigt – wegen einer Störung am Triebfahrzeug übrigens.

06.02.10Erstens kommt es anders...

Von Tina  |  Außerplanmäßig

…und zweitens als man denkt.

Mittwoch, 20.01.2010
17:00 Uhr – im Büro
Blick ins Internet auf die DB Seite „Ist mein Zug pünktlich?“ Ja, ist er! Ich kann es kaum glauben. Der ICE 70 hat keine Verspätung, nicht mal die obligatorischen 5 Minuten wegen „Verspäteter Übergabe aus dem Ausland“. Klasse, das wäre dann im Zeitraum von 14 Tagen das dritte Mal, dass ich an meinem Zielbahnhof vielleicht pünktlich ankomme (je mehr Zeit man mit und in der Bahn verbringt, desto bescheidener wird man in seinen Ansprüchen und freut sich auch über kleine Dinge des Lebens. Und sei es nur eine pünktliche Abfahrt).

Doch leider kam es anders.

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28.01.10Den Umständen entsprechend angenehm

Von Stephan  |  Erfahrungen

Am Montag abend bin ich zwecks Abschluss meines Studiums von Berlin nach Flensburg gereist. Es war mal wieder eine spannende Tour.

Schon zu Beginn am Berliner Hauptbahnhof die erste Abweichung vom Reiseplan: der ICE 706 beginne wegen einer Störung am Triebfahrzeug gar nicht am Hauptbahnhof, sondern am Bahnhof Gesundbrunnen, wurde uns mitgeteilt. Dorthin gelange man mit einem anderen ICE (der eigentlich nach Westerland fährt), der wenige Minuten verspätet gleich am Nachbargleis einfährt. In Gesundbrunnen klappte der Umstieg in den wartenden ICE nach Hamburg ohne Probleme.

Dieser fuhr scheinbar ganz zügig, von der Störung am Triebfahrzeug spürte man jedenfalls nicht viel. Allein die Ankunft in Hamburg war 20 Minuten später als geplant. Mir machte das aber nichts: aufgrund der schlechten Anschlüsse in Richtung Norden hatte ich nun eben statt planmäßigen 50 Minuten nur noch 30 Minuten Aufenthalt. Ich kam an dem Abend noch pünktlich in Flensburg an.

Die Rückfahrt war dagegen entspannend und fast lustig, wäre es nicht im Grunde traurig. Sowohl von Neumünster nach Hamburg als auch von Hamburg nach Berlin waren im Fahrplan einst ICE-Züge vorgesehen. Doch von Neumünster nach Hamburg werden schon seit langem Ersatz-IC aus der letzten Epoche eingesetzt – mit einer völlig abgenutzten Inneneinrichtung in beige, türkis und Flieder und wenigen funktionierenden WCs.

Ersatzzug 2. Klasse
„Ersatzzug zweiter Klasse“ ist übertrieben.

Oft zu sehen: WC unbenutzbar.
Oft zu sehen: ein unscheinbarer Aufkleber an der Tür zum WC.

Mein Anschlusszug vom Hamburg nach Berlin wurde dagegen sehr kurzfristig ebenfalls durch einen Ersatzzug ersetzt, einen IC der gleichen Modellreihe. Beim Einsteigen hörte ich im Vorbeigehen das bahnpersonal fluchen, was man ihnen heute für einen Sch*** hingestellt habe. Die Begrüßung hatte dann auch einen leichten, seufzenden Unterton:

„Meine Damen und Herren, willkommen im“ [kurze Pause, eigentlich folgt hier das Wort ICE] „… Zug nach Berlin Südkreuz mit Halt in Berlin Hauptbahnhof. Wir wünschen Ihnen, den Umständen entsprechend, eine angenehme Reise.”

Anhand seines Tonfalls wussten alle, was er meinte, denn eigentlich wollte er sagen: “…in einem sogenannten Zug…”. Hübsch sind die einfach nicht mehr.

Inneneinrichtuung im Ersatz-IC in türkis und Flieder

„Hier noch ein Hinweis den gastronomischen Service betreffend. Dieser ist heute bei Null. Grund dafür ist: Die Original-Wagengarnitur stand heute leider nicht zur Verfügung. In dieser Wagengarnitur ist sind kein Imbiss und Getränke vorhanden. Wir bitten dies zu entschuldigen, hoffen aber, dass sie wenigstens eine schnelle Fahrt nach Berlin haben werden.“

Er kann ja auch nichts dafür. Pünktlich waren wir.

26.10.09Sammeln Sie Zeit?

Von Tina  |  Tipp

Wenn man als Pendler unterwegs ist, wird Zeit zu einem kostbaren Gut. Ich benötige für meine Arbeitstrecke ca. 2 Stunden von Haustür zur Haustür.

In der Regel geht’s morgens um 07:15 Uhr ab Kassel mit dem ICE 737 mit Halt in den „Unterwegsbahnhöfen“ Fulda und Hanau in Richtung Arbeitsplatz. Die Fahrzeit bis Frankfurt beträgt 1:30 Stunden. Würde der Zug nonstop fahren, wäre man in 1:21 Stunden in der Mainmetropole.

„Na und?“ werden Sie jetzt sagen, „die 10 Minuten, was macht das schon?“. Sie sind wahrscheinlich kein DB Bahn-Pendler, denn als Angehöriger dieser Spezies mutiert man über kurz oder lang zum Zeitfetischisten. Während Besitzer einer Payback Karte zum Punktejäger werden, gilt unsere Leidenschaft dem „Minuten sammeln“. Wie ein Eichhörnchen kurz vor dem Winter lesen wir die Zeit auf der Strecke auf und bunkern diese. Uns bleibt nichts anderes übrig: denn in Wahrheit
schreibt uns nicht der Arbeitgeber, sondern die DB AG vor, wann wir im Büro zu erscheinen haben (es sei denn, der Arbeitgeber ist die DB AG, aber das trifft nicht auf mich zu).

Wenn mal wieder eine betriebliche Störung auf dem Weg zum Job auftaucht, die eine Verspätung von 20 Minuten zur Folge hat, muss diese Zeit nachgearbeitet werden. Und genau aus diesem Grund versuchen wir in Anlehnung an die Empfehlung der „Grauen Herren“ Zeit zu sparen.

Es gibt einen Pendlertric (hier für die Strecke Kassel-Frankfurt), mit dem man die Fahrtzeit verkürzen kann. In meinen Fall erhalte ich dadurch fast 15 „Bonus“-Minuten. Dieser Trick hat leider einen kleinen Haken: er funktioniert nicht immer. Hier die Theorie zur Prozedur „Umsteigen in Fulda“:

  • Der ICE 737 erreicht laut Fahrplan Fulda um 7:44 Uhr (Gleis 4)
  • Um 7:44 Uhr fährt der „Sachsenexpress“ ICE 1656 ab (Gleis 3 selber Bahnsteig gegenüber)
  • ICE 1656 fährt ab Fulda nonstop bis Frankfurt und triff dort um 08.41 Uhr ein.
  • Und das wichtigste Argument schlechthin: er wird vor dem ICE 373 auf die Strecke geschickt.

Zeigt die Uhr nun kurz vor der Einfahrt in Fulda 7:43 Uhr, so recken auf einmal zig Pendler die Hälse und kleben mit der Nase an der Scheibe. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Durchführung einer orthopädischen Übung, sondern um den Versuch herauszufinden, ob der Sachsenexpress bereits eingefahren oder mit Verspätung gemeldet ist. Steht der ICE bereits am Gleis 4, so steigen nur noch die ganz hart Gesottenen aus und sprinten unter Einsatz ihres Lebens in Richtung ICE 1656.

Anfeindungen anderer Reisende, Olympia verdächtige Hürdensprünge über Gepäck und Kinder, blaue Flecken und Verluste diverser Utensilien (vorzugsweise Hausschlüssel), die sich aus offenen Taschen in die Freiheit der Bahngleise begeben werden dabei klaglos in Kauf genommen. Ab und zu kommt es auch zu spontanen Umarmungen zwischen Pendler und Zugbegleitpersonal, wenn man
trotz oben gehaltener Kelle und Abfahrtspfiff noch mitgenommen wird. So manch eine Ehe fand hier ihren Anfang (oder ihr Ende).

Hat der „Sachsenexpress“ jedoch Verspätung, kann man gemütlich umsteigen.
Soweit die Theorie. Und in der nächsten Stunde kommen wir dann zur Praxis…

Ausgetrickst: Umstieg in Fulda“

22.10.09Düster ist's im Zug der Zukunft

Von Stephan  |  Außerplanmäßig

Ich ziehe Zwischenfälle bei der Bahn offenbar magisch an. Sogar in stehenden Zügen gibt es etwas zu erleben, wenn ich dabei bin. Im „Science-Express“ gab es einen Stromausfall. Das Motto der Austellung: Expedition Zukunft. Düster, düster, diese Zukunft…

Vor ein paar Tagen hielt der Science Express (habe schon einmal darüber berichtet) in Potsdam. Zwar nicht im Hauptbahnhof, wie zunächst geplant, sondern auf einem Abstellgleis hinter dem Bahnhof Potsdam-Rehbrücke am südlichen Stadtrand. Immerhin gab es einen kostenlosen Shuttle-Service mit Bussen. Ich und meine zwei Begleiter nahmen aber den Regionalzug vom Bahnhof „Potsdam-Medienstadt Babelsberg“. (Der hieß fürher mal Drewitz, aber kurze Namen sind ja langweilig.)

Die Elektro-Lok, die normalerweise die Waggons der rollenden Wissenschaftsausstellung bewegt und wohl auch mit Strom versorgt, stand auf dem Parallelgleis. Denn das Abstellgleis ist nicht elektrifiziert, dort gibt es also keine Oberleitung. Über ein dickes Kabel war sie mit den Waggons verbunden. Als wir ungefähr im mittleren der 12 Wagen waren, wurde es plötzlich dunkel – Stromausfall. Und der Zug hat keine Fenster. Offenbar war das aber nicht der erste Ausfall, konnte man den Gesprächen der Ausstellungs-Begleiterinnen entnehmen, die die Besucher beruhigten, und versprachen, dass es in ein paar Minuten wieder Licht gäbe.

Nacheinander wurden dann die einzelnen Waggongs wieder eingeschlatet, die Computer für die interaktiven Ausstellungsstücke wurden hochgefahren.

Ich kann die Ausstellung immer noch empfehlen. Der Zug ist gerade in Wolfsburg und wird dann noch an 10 weiteren Bahnhöfen seine Türen öffnen:

22.10. bis 24.10. 2009 – Wolfsburg
25.10. bis 27.10. 2009 – Bremerhaven
28.10. bis 29.10. 2009 – Schwerin
30.10. bis 31.10. 2009 – Rostock/Warnemünde
02.11. bis 04.11. 2009 – Kassel
05.11. bis 07.11. 2009 – Limburg-Weilburg
08.11. bis 10.11. 2009 – Wiesbaden
12.11. bis 14.11. 2009 – Trier
15.11. bis 17.11. 2009 – Marburg
18.11. bis 20.11. 2009 – Kehl
22.11. bis 24.11. 2009 – Berlin

Fotos vom Ausstellungszug (Startbahnhof Berlin) im Web-Abum

Zur Webseite des Projektes: www.expedition-zukunft.org