09.09.07 54 Minuten in Wittenberge, Gleis 3

Von admin  |  Erfahrungen

Bin ich eigentlich der einzige, dem so etwas passiert? Am Freitag bin ich zum zweiten Mal wegen einer Stellwerkstörung mit meinem Zug gestrandet (ziemlich genau einen Monat nach meinem Tarp-Erlebnis). Der ICE 1617 Hamburg-Berlin hielt außerplanmäßig in Wittenberge, eine Stellwerkstörung verhindere die Weiterfahrt. Letztendlich betrug die Verspätung in Berlin 73 Minuten, was mir einen Gutschein über 20% des Fahrpreises einbrachte – nicht 20% vom Standard-Fahrpreis, sondern von meinem BahnCard50-Preis. Summe: ganze sechs Euro und 20 Cent.

Fahrgäste am Bahnsteig von Wittenberge

Protokoll der Fahrt:

  • 17:15 Wittenberge, Gleis drei. Wir halten aufgrund einer Störung im Stellwerk, die Weiterfahrt verzögere sich um 30-45 Minuten. Ich stehe in der Nähe der Personal-Kabine, dort wird gemunkelt: “unbestimmte Zeit”, “größerer Fehler”, na toll. Dem ICE fehlen übrigens 2 komplette Waggons, ich habe einen Stehplatz, und viele Kunden mit Platzreservierung sind eh schon genervt, weil ihr Platz nicht da ist. Die Türen werden geöffnet und die Fahrgäste können auf dem Bahnsteig.
  • 17:17 Eine Durchsage am Bahnsteig, ein RE auf Gleis 2 (gegenüber) verzögere sich wegen eines Gleisbruchs und einer Weichenstörung um ca. 30 Minuten. Gleisbruch? Wow. An Gleis 2 steht übrigens noch ein anderer wartender Regionalzug.
  • 17:21 Bahnsteigdruchsage: “Liebe Fahrgäste, bitte steigen Sie ein, Ihr Zug fährt jezt ab. Ich wünsche eine angenehme Weiterfahrt!” Alle stürmen in den ICE. Aber nichts passiert.
  • 17:22 Der Zug am anderen Gleis fährt ab. Ach, dann war wohl Gleis 2 gemeint.
  • 17:38 (Nach 23 Minuten) Durchsage im ICE: Der Fehler sei schwerwiegend, unsere Weiterfahrt verzögere sich um 60 Minuten. Stöhnen in den Sitzreihen.
  • 17:46 Per Lautsprecher werden die Fahrgäste des ICE zu einem alkoholfreien Erfrischungsgetränk eingeladen. Die Leute, die auf dem Bahnsteig stehen, bekommen das nur sehr zögerlich mit.
  • 17:55 Ich hole mein Getränk. Der Chef im BordBistro weist seine Kollegen an: “Gebt alles raus, alles, egal was, Hauptsache irgendwas.” Ich nehme eine 0,5-Liter-Flasche Cola.
  • 17:57 (nach 42 Minuten) Durchsage: Die Techniker seien nun eingetroffen und versuchen, den Schaden zu beheben.
  • 18:07 Eine Zugbegleiterin auf dem Bahnsteig ruft: Alles einsteigen, das Signal steht! (Toll, das es nicht umgefallen ist.) Alle steigen ein, bis auf zwei Fahrgäste, die sind grade auf dem Weg zum nächsten Kiosk befinden.
  • 18:08 Die beiden Nachzügler kommen die Treppen heraufgerannt und steigen ein. Die Türen schließen.
  • 18:09 (nach 54 Minuten): Der ICE 1617 fährt endlich weiter. Bis Berlin dauert es noch ca. 50 Minuten.
  • 18:26 Es werden Gutscheine ausgeteilt, die Zugbegleiter haben ein ganzes Bündel aus dem Schrank geholt. Voraussichtlich um 18:55 sollen wir Berlin Hbf. erreichen.
  • 18:57 Wir sind in Berlin, die Türen öffnen sich. An der Anzeigetafel steht: Ankunft 17:44, ca. 60 Minuten Verspätung. Das die Bahn großzügig abrundet, ist mir schon öfter aufgefallen. Es sind 73 Minuten, so stehts auch offiziell auf der detailierten Auskunftsseite (wie man die einsehen kann, schreib ich später):

Großzügig ist sie ja sonst auch nicht. Als ich zwei Tage später am Schalter stehe, um meinen Gutschein einzulösen (Wartezeit: ca. 20 Minuten), wird mir das bewusst. Ich bekomme 20 Prozent meines Fahrpreises als Gutschrift erstattet. Da ich ja aufgrund meiner BahnCard nur die Hälfte für den Fahrschein bezahlt habe, bekomme ich natürlich auch nur die Hälfte gutgeschrieben.

Kurzer Dialog, ich: “Als BahnCard-Kunde bekommt man also weniger erstattet?” – “Ja, Sie bezahlen ja auch nur die Hälfte.” – “Aber ich warte doch genau so lange!” – “Stimmt.” Zögerliches Kopfnicken der Dame am Schalter. Ich bekomme 6,20 Euro.

Letzte Änderung am 25.10.2007 um 07:35, Kategorien:  

Kommentare

Bisher wurden keine Kommentare abgegeben. Du kannst der erste sein!

Dein Kommentar:




Textile-Hilfe

Hinweis: Die Preisgabe persönlicher Daten erfolgt seitens des Nutzers auf ausdrücklich freiwilliger Basis. Dem Nutzer ist bekannt, dass über das Internet verbreitete Informationen nicht zwingend über eine sichere Verbindung gesendet werden und dann von jedem einsehbar sind. Name, angegebene Webseite und Kommentar sind für jeden Benutzer der Seite einsehbar.