31.03.09 Getestet: Kleine Aufmerksamkeiten während der Bauphase
Wie angekündigt, habe ich den Baustellen-Zusatzservice zwischen Hamburg und Berlin getestet, hin und zurück. Die 45 Minuten längere Fahrtzeit entschädigt die Bahn mit einem Snack, Getränk und Tageszeitung. Und ich muss sagen, joa, das Versprechen wird gehalten. Jedenfalls fast.
Freitag, Hamburg-Berlin
Es gibt wahlweise Wasser oder Orangensaft, jeweils im Tetrapack, dazu eine Vollkorn-Käsestange und anschließend noch eine Praline im Schächtelchen, auf dem Max Maulwurf arbeitend abgebildet ist („Lassen Sie sich unsere Bauarbeiten etwas versüßen“).

Das wirkt fast wie Bestechung. Falls man einen Sitzplatz hier im ICE 72237 hat, kann man auch die ausgelegten Tageszeitungen lesen. Aus der Ferne habe ich „Welt kompakt“ und das „Hamburger Abendblatt“ entdeckt. Der Zusatzservice wurde sogar angesagt, mehrere Mitarbeiter (mehr als sonst im Zug rumlaufen) verteilten.
Montag, Berlin-Hamburg
8:08 Uhr: Der IC kommt „wenige Minuten“ später in Berlin an, fährt dann dennoch fast pünktlich ab. Als Ursache nennt der Zugchef „dichte Zugfolge in Leipzig“, also mal wieder ein hausgemachtes Problem. Die vielen Züge sind schuld. Weil so viele Leute mit der Bahn fahren wollen. Immer diese ärgerlichen Fahrgäste, würde manch ein Konzernchef vielleicht denken.
8:35 Uhr: Auch im IC 2037 der zusätzliche Service zur Widergutmachung der längeren Fahrzeit angepriesen, man erhalte ein Snack und ein kaltgetränk, außerdem lägen Tageszeitungen bereit. Wo? bei mir am Platz jedenfalls nicht. Und wenn ich mich so umschaue, woanders liegen auch keine. Muss mal nachfragen. Vielleicht gibt es ja wieder süße Pralinchen.
9:20 Uhr: Es gibt einen O-Saft und einen Muffin, auf dessen Verpackung steht: „Binnen kurzer Zeit verzehren.“ Aber Pralinchen gabs nicht, und Zeitungen liegen im anderen Waggon, ich darf mir eine holen gehen. hab ich aber nicht, denn der Zug war schon fast da. Hätte gerne nen Artikel über den Bahnchef gelesen, am Montag nach seinem verweigerten Rücktritt ist er sicher auf einigen Titelseiten zu sehen.

9:33 Uhr: „Meine Damen und Herren, auf der eingleisigen Strecke nach Uelzen warten wir auf einen Gegenzug und werden unsere Fahrt fortsetzen, in Kürze. Wir warten auf einen Gegenzug und werden die Fahrt in Kürze fortsetzen“. Naja, Übung schadet nicht. Ein Korb mit Muffin-Nachschub wird an mir vorbeigetragen. Ich habe übrigens einen Sitzplatz, der war zwar reserviert, aber von jemand anderem. Hat aber niemand beansprucht.
9:36 Uhr: Der Gegenzug, ein ICE, hat uns passiert, und wir fahren weiter.
9:52 Uhr: Spontaner Halt in Uelzen.
9:54 Uhr: Die Fahrt geht weiter. Keine außerplanmäßigen Ereignisse, komme schließlich mittags pünktlich in Flensburg an. Und kaum bin ich zu Hause, erfahre ich, dass Mehdorn seinen Rücktritt angeboten hat. Na sowas. Über wen soll ich mich denn dann beschweren?
Mein Fazit: Die Ankündigung wird wahr gemacht, soviel Aufmerksamkeit sind die Bahnkunden nicht gewohnt. Für gerade einmal 45 Minuten, die der Zug länger unterwegs ist, zeigt sich die Bahn ungewöhnlich großzügig. Aber genau so funktioniert Kundenfreundlichkeit.


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