04.05.09 Böschungsbrand nach Bremsvorgang

Von Stephan  |  Außerplanmäßig

Heute mal ein Titel in Reimform. Ein Brand hat meine Reise von Potsdam nach Berlin unterbrochen, mal wieder hat die Bahn ihre Kunden nur unzureichend bis überhaupt nicht informiert, wie, wann und ob die Reise weitergeht.

Wenig bis keine Informationen

Anlässlich einer Familienfeier fuhr ich Samstag mittag von Potsdam nach Berlin, und die schnellste Verbindung ist der Reginalexpress RE 38932. Leider bin ich nur eine Station weit gekommen, nämlich bis Berlin-Wannsee. Ein kurze Ansage im Zug: „Die Weiterfahrt verzögert sich aufgrund eines Böschungsbrandes um unbestimmte Zeit.“ Das war die einzige Information, die die Reisenden von der Bahn erhielten.

Nach ein paar Minuten stiegen dann alle aus dem Zug aus, in Richtung Berlin ging es erstmal nicht weiter. Vom Bahnhof konnte man auch ganz gut sehen warum:

Böschnugsbrand zwischen Wannsee und Nikolassee
Brennender Bewuchs sorgt für verqualmte Sicht

Durchsagen durch den Rettungsdienst

Am Bahnsteig waren Polizei und Maltheser Hilfsdienst unterwegs, auch ein Mitarbeiter der Bahn der das ganze scheinbar koordinierte – eventuell ein Unfallmanager der DB? Ansagen durch Bahnhofspersonal gab es keine. Der MHD hat mit seinem Megafon nur Reisende in die Gegenrichtung (Werder) informiert, man solle bis Potsdam die S-Bahn benutzen. Für Reisende in die andere Richtung gab es keine Infos.

Durchsagen nicht von der DB, sondern vom Rettungsdienst
Ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes informiert Reisende über Züge in Richtung Werder – die Bahn selbst informiert nicht

Ich bin zum Ende des Bahnsteigs gegangen, um das Foto zu machen, und dort traf ich auf einen weiteren Bahn-MA vor seinem Dienstraum. Er hat mir dann auf Nachfrage gesagt, dass die S-Bahn in Richtung Berliner Innenstadt noch fährt. Also bin ich zum anderen Bahnsteig gegangen, die S-Bahn war grade abgefahren. Die nächste fuhr 15 Minuten später, denn sie wartete noch auf einen anderen Zug, um dessen Fahrgäste noch mitnehmen zu können. Auch hier gab es keine Ansagen über die Bahnhoslautsprecher, daher hat der S-Bahn-Fahrer diese Aufgabe übernommen.

So, wie man es sich wünscht, hat er Reisende umfassend informiert. Wegen des Brandes führe die S-Bahn S7 nicht in Richtung Berlin Innenstadt, man solle bitte seine S1 benutzen. Und auch für die Gegenrichtung hat er Ersatzverbindungen durchgesagt. Dieser Mitarbeiter verdient ein Lob.

Glühende Bremsen

Böschungsbrände werden in der Regel durch Funkenflug beim Bremsen der Züge ausgelöst, so war es wohl auch in diesem Fall. Vom Triebfahrzeugführer weiß ich (ich konnte ein Gespräch mit seinem Kollegen am Bahnhof hören), dass an einem Fahrgestell nicht nur funken flogen, sondern die Bremse hell geglüht hat. Das ist ein eindeutiges Anzeichen für eine falsch eingestellte Bremsanlage und damit für mangelnde Wartung der Züge. Dank ausrechend anderer Bremsen ist der Bremsverlust vermutlich unerheblich gewesen, aber natürlich können schlecht gewartete Bremsen noch ganz andere gefährliche Unfälle verursachen.

Eine Stunde hat mich die ganze Geschichte gekostet. Mit informativen Durchsagen wäre es vielleicht nur 30 bis 40 Minuten geworden. Und mit einwandfreier Technik hätte ich pünktlich sein können. Muss man langsam Angst bekommen, wenn man in einen Regionalzug steigt?

Siehe auch: Erlebnis im RE: Kabel gerissen

Letzte Änderung am 04.05.2009 um 11:50, Kategorien:  

Kommentare

  1. Ulrich Graser schrieb am 05.07.2009:

    Dass es auch anders geht, ist hier http://blog.nn-online.de/pendlerblog/2009/07/02/respekt-alles-richtig-gemacht-db/ nachzulesen: Rechtzeitige, ausführliche und sich wiederholende Durchsagen am Bahnsteig und im Zug, auch nach einem Böschungsbrand. Interessant: Kaum war ich da durch und am Ziel, musste die Strecke erneut gesperrt werden: wegen eines Notarzteinsatzes in der einen Richtung, und wegen spielender Kinder auf dem Gleis in der anderen…

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