19.12.10 Chaos hautnah bei der S-Bahn in Berlin

Von Stephan  |  Chao-S-Bahn

Die S-Bahn Berlin hat es geschafft, mich wütend zu machen. Manchmal, wenn ich an einem vereisten, schneebedeckten Bahnsteig stehe und auf eine S-Bahn warte, komme ich mir vor wie in einem Traum. Aber es ist die traurige, kalte Realität.

Es ist Freitag Abend gegen 21:30 Uhr. Im Randgebiet von Berlin bricht gerade ein zentraler Teil des öffentlichen Nahverkehrs zusammen. Das ist der Eindruck, den ich gerade gewinne.

Ich stehe bei gefühlten -10 Grad am Bahnhof Charlottenburg. Die S-Bahn nach Spandau hat bereits das grüne Signal zur Abfahrt bekommen, da öffnen sich noch einmal die Türen. Eine Tür hakt und kann nicht richtig geschlossen werden. Der Fahrer kommt mit einem kleinen Hämmerchen und versucht, die Trittstufe von Schnee und Eis zu befreien. “Ja, ich mach das heute öfter. Vielleicht klappt’s, es geht gleich weiter”, beruhigt er leicht resignierend die fragenden Fahrgäste. Er verriegelt die Tür, sie ist jetzt nicht mehr benutzbar. Er geht zurück nach vorne, der Signalton ertönt, alle Türen schließen sich – bis auf eine im nächsten Wagen. Der Fahrer kommt mit seinem Hämmerchen zurück.

Auf dem Nachbargleich fährt eine weitere S-Bahn ein – ebenfalls nach Spandau. Unterdessen bei der Bahnsteigaufsicht: Eine Frau beschwert sich lauthals, sie wartet offenbar schon über 30 Minuten auf eine Bahn nach Potsdam. Andere Fahrgäste nehmen den Mitarbeiter der Bahn in Schutz. Der Mann macht auch nur seinen Job, das keine Bahn kommt, dafür kann er nichts. Aber die Passagiere sind sich einig, so kann es doch nicht weitergehen.

Eine S7 fährt ein – und endet an diesem Bahnhof. Wegen des Wintereinbruchs fährt nur jede zweite Bahn bis Potsdam, die anderen kehren schon in Charlottenburg wieder um, um wenigstens auf der Hauptstrecke regelmäßigen Verkehr anzubieten. Offenbar macht aber auch die Anzeigetafel Probleme. Die letzte Bahn, die nach Potsdam fuhr, war wohl als S3 oder S5 nach Spandau angezeigt worden, nicht als S7 nach Potsdam. Verwirrung, Verärgerung, Frust und Unverständnis bei den Fahrgästen.

Eine Ansage ertönt. Wegen einer Weichenstörung wird der Zugverkehr in Richtung Wannsee und Potsdam jetzt vorübergehend eingestellt. Wir sollen auf die Regionalbahn oder auf die U-Bahn ausweichen. Empörung und Wut machen sich breit. Ich stelle mich schon auf eine lange Reise mit zahlreichen Umstiegen ein und suche den Weg zum Regionalbahnsteig. Zum anderen Teil des Bahnhofs sind es einige Gehminuten.

Unterwegs rufe ich bei der Hotline der S-Bahn an, um zu erfahren, wie ich jetzt am besten an mein Ziel komme. Ich werde von einer Bandansage vertröstet, ich solle es einfach später wieder probieren. Beim dritten Versuch klappt es. Eine Mitarbeiterin sieht an ihrem Bildschirm nichts von einer Streckensperrung, aber kann mir nach einer längeren Pause verraten, dass in diesem Augenblick eine S7 mit dem Fahrtziel Potsdam einfährt. Ich hake ungläubig nach – nach Potsdam? Keine Weichenstörung?

Ich drehe um, laufe die Treppe wieder hinauf und sehe die Rückseite des abfahrenden Zuges. Am Zug steht “S7 – Potsdam”. Ich könnte schreien.

Ich klingele an der Tür der Aufsicht. Ein sichtlich gestresster Herr in DB-Uniform öffnet und bestätigt mir, dass dort tatsächlich eben en Zug nach Potsdam abgefahren ist. Die nächste S7, die gerade ankommt, fährt allerdings nur eine Station bis Westkreuz. Wann ich nach Potsdam fahren kann, weiß er nicht. “Ich kann nicht mehr. Mein Herz…” sagt er, bevor zurück zu seinem Pult eilt. Er tut mir leid. Seine Schicht hatte gerade erst begonnen.

Ich steige frustriert ein. Ich will hier weg. An der nächsten Station warte ich 15 Minuten auf die richtige S7, um dann schließlich an der Station Griebnitzsee aussteigen zu können.

Letzte Änderung am 19.12.2010 um 23:03, Kategorien:  

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