17.05.08 Eine Bahnfahrt mit viel Durcheinander
Unverständnis und offene Fragen
Meine heutige Reise kurz zusammengefasst: ICE baut seine Verspätung von anfangs 7 auf 21 Minuten aus, laut Durchsage wartet mein Anschlusszug (RE), der ist dann aber plötzlich doch schon weg, sehr viele Reisenden verpassen ihre diversen Anschlusszüge. Begründung: alle Gleise waren bestetzt und die Züge mussten leider abfahren, das habe die Fahrdienstleitung so entschieden und kein DB-Angestellter will verantwortlich sein. Ich stehe aber auf einem leeren Bahnhof, der nächster Zug fährt eine knappe Stunde später.

So rechnet die Bahn: 19.32 Uhr plus 10 Minuten sind 19.57 Uhr
Mir stellen sich mehrere Fragen: Wer oder was ist eigentlich diese ominöse Fahrdienstleitung, die entscheidet, welcher Zug wie lange auf Fahrgäste wartet? Wieso bekommen die DB-Mitarbeiter offensichtlich von dieser Leitung unterschiedliche, genauer: sich widersprechende Anweisungen? Wer ist dafür verantwortlich, dass der Zug, der am Nachbargleis steht und dessen Personal sehen muss, dass gerade ein verspäteter ICE einfährt, genau in dem Moment abfährt, wenn Umsteiger die Treppe zum Bahnsteig hinaufsprinten?
Diese Fragen werde ich auch der Bahn stellen. Das ausführliche Protokoll folgt ist angefügt, Fotos gibt es auch. Fazit: Service-Note mangelhaft!
Update [17.05. 12:43]: Online-Nachfrage an die DB abgeschickt.
Protokoll der Bahnfahrt
- ICE 1508 von München nach Kiel. Ich steige kurz nach 17 Uhr in Berlin Hauptbahnhof zu, Abfahrt ist 17:10 (planmäßig 17:03) [+7 min]
- Ich frage die Zugbegleiterin, ob mein Anschlusszug nach Flensburg überhaupt aus HH Hauptbahnhof fährt, denn gestern gab es ja eine Streckensperrung, die dazu führte, dass der Zug nach Altona umgeleitet wurde. Sie verspricht, sich zu informieren und mir Bescheid zu geben.
(Sie gibt mir nicht Bescheid.)
- Die Reise verläuft zügig und ohne merkbare Verzögerungen, dennoch kurz vor Hamburg folgende Ansage: wir erreichen Hamburg Hauptbahnhof mit 13 Minuten Verspätung, also statt um 18:39 erst gegen 18:52. Der Regionalexpress “nach Elmshorn”, Abfahrt 17:49, könne leider nicht auf uns warten. Dieser RE “nach Elmshorn” ist eigentlich der RE 21078 nach Padborg über Neumünster und Flensburg, den ich auch nehmen wollte. Elmshorn ist nur der erste Halt außerhalb Hamburgs.
- Ich spreche erneut die Zugbegleiterin an. Sie habe mein Anliegen weitergeleitet, leider sei aber von der Fahrdienstleitung entschieden worden, dass der RE nicht warten soll.
(Ich bin nicht der einzige Fahrgast, der gerne diesen Zug erreicht hätte. Vielleicht hätte man unser Anliegen mit mehr Nachdruck an die Fahrdienstleitung übermitteln können?)
- Deshalb entscheide ich mich, bis Neumünster im ICE zu bleiben. Ich hoffe darauf, dass der schnelle ICE den langsameren RE bis dahin überholt hat und ich dann in Neumünster umsteigen kann. Die Zugbegleiterin wendet noch ein, das könne sie mir nicht versprechen.
(Natürlich nicht. Sie ist ja nicht die Fahrdienstleitung. Außerdem weiß ich ja eigentlich, dass es zwischen Hamburg und Flensburg im Wesentlichen nur zwei Gleise gibt, und keine Überholspur. Aber ob ich nun in Neumünster warten muss oder in Hamburg, ist mir ziemlich egal, so habe ich noch Hoffnung.)
- Auch die Weiterfahrt bis Neumünster verläuft überraschend zügig, mir scheint der ICE kann tatsächlich etwas von seiner Verspätung wieder gutmachen. Planmäßige Ankunft dort: 19:30.
- 19:36: Ansage eines in Hamburg eingewechselten Zugbegleiters. Wir würden Neumünster mit ca. 12 Minuten Verspätung um 19:44 Uhr erreichen. Der RE “nach Padborg über Flensburg” stehe abfahrbereit auf Gleis 4 und warte dort auf uns.
(Erleichterung bei einigen Fahrgästen, die wohl die selbe Taktik wie ich anwenden. Die Hoffnung, den RE zu erreichen, steigt.)
- 19:41 bremst der ICE bis zum Stillstand ab. Wir sind schon im Stadtgebiet von Neumünster. Durchsage: Die Gleise im Bahnhof seien alle belegt, in wenigen Augenblicken würden wir die Fahrt fortsetzen.
(Vermutung einiger Fahrgäste: der RE, der auf uns wartet, steht vor uns im Gleis und versperrt uns die Einfahrt.)
- 19:50 fährt der Zug wieder an. Wir standen 9 Minuten vor dem Bahnhof! Es gibt keine weiteren Ansagen des Zugpersonals.
- 19:51:30 fahren wir auf Gleis 3 in den Bahnhof. Gleis 4 gegenüber ist leer. Es ist kein weiterer Zug zu sehen, nur auf Gleis 2 steht eine Regionalbahn. Wir vermuten, es handelt sich um den RE nach Flensburg. [+21 min]
- 19:52:00: Ich sprinte zusammen mit drei Damen auf das Gleis 2. Als wir oben sind, sehen am Ende des Bahnsteigs noch die Rücklichter des Zuges.
(Der Zug ist weg und hat nicht wie versprochen gewartet. Es stellt sich heraus, dass das eine Regionalbahn nach Pinneberg war, die exakt nach Plan um 19:52 abgefahren ist.)

- Die Suche nach Bahnpersonal ist schwierig. Eine Angestellte des Bahnhfskiosks gibt uns den Tipp, auf Gleis drei hinter dem Treppenaufgang sei das Dienstzimmer des Angestellten, der die Ansagen macht.
- Dort stehen noch weitere Fahrgäste. Für Reisende, die aufgrund der ICE-Verspätung mehr als 60 Minuten zu spät an ihrem Ziel ankommen werden, werden Bestätigungs-Scheinchen ausgestellt.
- Wir fragen, warum der versprochene RE nicht gewartet hat. Die Fahrdienstleitung habe das so entschieden, die Gleise wären alle besetzt gewesen und hätten freigemacht werden müssen. Er könne nichts dafür.
(Die Fahrdienstleitung hatte noch wenige Minuten vorher entschieden, der RE soll warten. Ich gehe davon aus, dass der Zugbegleiter sich diese Information nicht ausgedacht hatte.)
- ICE fährt weiter nach Kiel, es sind nun alle Gleise frei! Erst 20:04 kommt wieder ein Zug.
(Allerdings fährt auch noch ein Güterzug durch den Bahnhof. Natürlich will der auch irgendwann am Ziel sein.)
- 20:33 Uhr: Die RB nach Flensburg mit Halt an allen Unterwegsbahnhöfen fährt ab, ich sitze drin, und komme ganz nach Fahrplan um 21:50 in Flensburg an.
(Leider fährt um diese Zeit dort kein Bus mehr, wenn ich nicht über eine halbe Stunde warten will, also gehe ich zu Fuß. Zum Glück habe ich nicht viel Gepäck, und das Wetter ist angenehm.)



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