06.02.10 Erstens kommt es anders...

Von Tina  |  Außerplanmäßig

…und zweitens als man denkt.

Mittwoch, 20.01.2010
17:00 Uhr – im Büro
Blick ins Internet auf die DB Seite „Ist mein Zug pünktlich?“ Ja, ist er! Ich kann es kaum glauben. Der ICE 70 hat keine Verspätung, nicht mal die obligatorischen 5 Minuten wegen „Verspäteter Übergabe aus dem Ausland“. Klasse, das wäre dann im Zeitraum von 14 Tagen das dritte Mal, dass ich an meinem Zielbahnhof vielleicht pünktlich ankomme (je mehr Zeit man mit und in der Bahn verbringt, desto bescheidener wird man in seinen Ansprüchen und freut sich auch über kleine Dinge des Lebens. Und sei es nur eine pünktliche Abfahrt).

17:20 Uhr – immer noch im Büro
Ein letzter Check der DB Seite – schließlich geht es bei den Abfahrtszeiten manchmal zu wie auf dem Börsenparkett. Eine interessante Theorie: da die DB AG zwar an die Börse will, aber noch nicht kann, sind für Herrn Grube aktuell die Abfahrtszeiten das Surrogat für Börsenpunkte. Je mehr Verspätung, desto größer der Gewinn. Ok, der ICE 70 ist immer noch pünktlich, also auf zum Bahnhof.

17:40 Uhr – am Bahnhof FfM
Der nette Brezelbäcker bei Ditsch drückt mir meine Brezel in die Hand und wünscht mir einen schönen Abend.

17:45 Uhr – Gleis 8, Abschnitt E
Drei weitere Mitfahrer stehen bereits im gelben Kästchen. Ich geselle mich dazu, gemeinsam staunen wir darüber, dass wir heute mal pünktlich abfahren werden. „Jetzt kann nichts mehr passieren, außer es schmeißt sich einer vor den Zug“, grinst der Pendlerkollege.

17:50 Uhr – Gleis 8, Abschnitt E
Der Gong ertönt, wir hören kaum hin. Wird die Ansage für den ICE 691 auf Gleis 9 sein. „Meine Damen und Herren an Gleis 8, bitte beachten Sie: aufgrund eines Notarzteinsatzes wird sich die Ankunft des ICE 70 um ca. 80 Minuten verzögern. Wir bitten um Ihr Verständnis und werden Sie weiter informieren.“

17:51 Uhr – Gleis 8, Abschnitt E
Der Pendlerkollege, der eben noch grinste, wird fast selbst zum Grund eines Notarzteinsatzes an Gleis 8. „Der Spruch kostet dich mindestens einen Kaffee im Bistro!“ – „Warum sagst du auch so was?!?“

17:53 Uhr – Gleis 8, Abschnitt E
Ich erreiche telefonisch meinen Bruder im Frankfurter Büro und bereite ihn schonend darauf vor, dass ich heute Abend mal bei ihm vorbeischauen werde. „Bist du noch im Büro? Gut, dann kann ich mir ja deinen Haustürschlüssel abholen, denn die Bahn möchte, dass ich heute bei dir übernachte.“ Anmerkung: auch wenn mein Bruder sagt, dass wir eine AEG – Geschwisterbeziehung führen (auf
Entfernung gut, nicht wahr Bruderherz ☺ ), ich kann jederzeit bei ihm aufschlagen. Und das liegt nicht am Recht der älteren Schwester. Merci dafür!

18:00 Uhr – Gleis 8, Abschnitt B
Die Pendlerkollegen begeben sich zum Wärterkabuff und erwischen noch ein Rotkäppchen, das mangels zweiten Fluchtwegs in dem Häuschen festsitzt. Die weitere Diskussion bekomme ich nicht mehr mit, denn ich muss mich beeilen: Schlüssel abholen, ab in die Stadt und (Unter-)Wäsche kaufen. Ich sollte mir dringend angewöhnen, zusätzlich zu meinem kleinen Badezimmerschrank in der
Handtasche auch mit meinem Kleiderschrank zu pendeln. Ich bin halt immer noch nicht Profipendler.

Nachtrag: Laut Berichten sind die restlichen Kollegen um kurz nach neun an dem besagten Abend in Kassel angekommen. Der Grund für die Streckensperrung:
Tödlicher Unfall im Bahnhof Groß-Gerau

Letzte Änderung am 08.02.2010 um 11:39, Kategorien:  

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